Veranstaltungsberichte
Biosektor setzt auf Funktionalität und niedrige Preise

Amersfoort, 9. Mai 2012
Bio allein reicht nicht aus, um ein Produkt erfolgreich auf dem internationalen Markt zu positionieren. Anbieter von biologisch abbaubaren Verpackungen und pflanzlich hergestellten Kunststoffen können nur bestehen, wenn sie ihre Kunden von der Funktionalität ihrer Materialien überzeugen und gute Preise anbieten. Das betonten deutsche und niederländische Produzenten anlässlich eines Branchenforums am Mittwoch, 9. Mai 2012, in Amersfoort. Mehr als 70 Branchenvertreter aus beiden Ländern hatten sich dort auf Einladung der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) getroffen, um die Geschäftsmöglichkeiten im jeweiligen Nachbarland auszuloten.
„Gekauft wird bei allem Umweltbewusstsein nur, was gut ist, seinen Zweck erfüllt und den Kunden gefällt“, sagt etwa Christoph Heß, Entwicklungschef beim Unternehmen Biotec aus Emmerich. „Grün allein genügt schon lange nicht mehr.“ Entsprechend können Produzenten gerade im grenzüberschreitenden Geschäft nur punkten, wenn ihr Produkt schon früh eine hohe Marktakzeptanz verspricht.
Ein Beispiel liefert das Potsdamer Unternehmen Aevotis. In jahrelanger Forschung hat es einen Sirup entwickelt, der wasserlöslich und fettfrei ist. In wenigen Jahren soll er die Süßungsmittel in Getränken oder Fette in Backwaren ersetzen. „Gesundheit verkauft sich immer“, ist Geschäftsführerin Martina Döring (Foto) überzeugt. „Dennoch geht es auch für uns darum, die sofortige Funktionalität für verschiedene Produktgruppen schon vor der Markteinführung nachzuweisen.“ In den USA soll der Sirup im kommenden Jahr an den Start gehen. In den Niederlanden warb Döring nun ebenfalls für ihre Technologie, die sich für den Lebensmittel- sowie für den Gesundheitssektor eigne.
Lebhaft diskutiert wurde in Amersfoort die Frage, wie sich nachhaltige Konzepte im Biosektor auch auf Transportwege und Energieverbrauch ausdehnen lassen. Noch immer importieren viele Hersteller aus Kostengründen ihre Rohstoffe für biologische Produkte aus weit entfernten Ländern. Das wirkt sich negativ auf die Ökobilanz aus. Eine Lösung hierfür sei vorerst nicht in Sicht: „Wir sind darauf angewiesen, die Produkte dort zu kaufen, wo sie für wettbewerbsfähige Preise angebaut werden“, so eine Teilnehmerin.
Ein Fortschritt sei bereits, wenn die Einzelhändler und Handelsketten bessere Kenntnisse über biologische Kunststoffe erwerben. Vielerorts sei nicht bekannt, dass etwa Plastikschalen für Obst oder Fleisch heute aus nachwachsenden Materialien hergestellt oder komplett abbaufähig produziert werden können. Auch viele Folien sind längst kompostierbar. „Im Grunde gibt uns die Natur das beste Beispiel selbst“, so Patrick Zimmermann, Geschäftsführer Marketing & Sales bei FKuR Kunststoff aus Willich. Er hatte seine Vision einer idealen Verpackung nach Amersfoort mitgebracht: „Wasserabweisend, die Frische erhaltend, mit einer tollen Farbe und komplett biologisch“, so Zimmermann – eine Orange in seiner Hand haltend.
Ausgewählte Präsentationen zum Download finden Sie hier:
Vera Grimm: Biomass - Feedstock for the chemical industry
Marko Schnarr: Bioplastics - A new chapter in the evolution of plastics
Jan Noordegraaf: Developments in the Dutch biobased economy
Investoren treffen sich in Neuss

Schloss Dyck, 2. November 2011
Mehr als 50 Geschäftsführer und Manager niederländischer Tochterunternehmen haben am Mittwoch, 2. November 2011, auf Schloss Dyck mit NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) über den Standort Nordrhein-Westfalen diskutiert. Vor allem Unterschiede im Steuerrecht und die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen formen nach wie vor Barrieren für Investoren, wurde dabei deutlich. „Wir wünschen uns einheitliche Bedingungen“, betonte einer der Teilnehmer: „Der Zugang zum Nachbarmarkt sollte in unserem grenzenlosen Europa nicht an einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen scheitern."
Auch ganz praktische Lebensfragen liegen den Niederländern in NRW am Herzen. „Unsere Kinder können an keiner Schule rundum Düsseldorf Niederländisch lernen“, klagte einer. „Japanisch, Chinesisch und Russisch werden allesamt unterrichtet, aber für die Sprache des direkten Nachbarlandes ist bisher kein Platz.“ Der Minister versprach, die Anregungen der Investoren aufzugreifen. Er lobte die enge Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Kein anderes Land investiere in NRW stärker. Das Handelsvolumen des Bundeslandes mit dem Nachbarstaat lag 2010 bei mehr als 45 Milliarden Euro. Mehr als 3.000 niederländische Tochterunternehmen sind in Nordrhein-Westfalen aktiv und sorgen für über 70.000 direkte Arbeitsplätze.
Organisiert hatte das Treffen die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) gemeinsam mit NRW.Invest und der Rechtsanwaltskanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff. DNHK-Geschäftsführer Axel Gerberding mahnte bei dem Minister vor allem eine Lösung für grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte an. NRW müsse sich weiter für ein drittes Gleis der Betuwe-Linie einsetzen, die als Schienenverbindung den Hafen Rotterdam mit dem Ruhrgebiet verbindet. „Es besteht noch zuviel Kirchturmdenken bei Infrastrukturfragen“, so Gerberding. „Die Planung von Verkehrsfragen endet an der Grenze.“ Der Flughafen Weeze werde zur Hälfte von niederländischen Fluggästen genutzt. „Es muss daher auch ein Interesse von NRW sein, diese Passagiere zu halten und sich gegen die Flugsteuer zur Wehr zu setzen, die vor allem der Grenzregion schadet.“
Felix Felleisen, Leiter des Dutch Desk von Raupach & Wollert-Elmendorff aus Düsseldorf, beobachtet zwischen Deutschen und Niederländern immer wieder kulturelle Missverständnisse. „Es ist deshalb gerade beim grenzüberschreitenden Kontakt wichtig, sich gut zu informieren und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.“ Dass dieses vielfach gelingt, davon zeigte sich NRW-Invest-Geschäftsführerin Petra Wassner überzeugt: „Die Niederländer sind unsere wichtigste Investorengruppe – und die Veranstaltung hat bei aller Kritik an Details belegt, dass sie sich bei uns wohlfühlen.“
Gerrit Zalm: "Brauchen Maßnahmen gegen drohende Rezession"
Amsterdam, 26. Oktober 2011
Der ehemalige niederländische Finanzminister und heutige Vorstandschef der Bank ABN Amro, Gerrit Zalm, erwartet, dass die Niederlande auf eine Rezession zusteuern. „Es ist keine Frage, ob es geschieht, sondern nur wann und wie tief die Rezession wird“, sagte Zalm anlässlich eines Unternehmerforums der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) am Mittwoch, 26. Oktober 2011, in Amsterdam.
Damit gibt ein führender Vertreter der niederländischen Finanzbranche eine Prognose ab, die Politiker und Finanzexperten für Deutschland nach wie vor zurückweisen. Die Prognosen der Bundesregierung gehen auch für 2012 von einem leichten, wenn auch moderaten Wachstum aus.
Die Niederlande gehören neben Deutschland zu den starken Euroländern, die sich bislang gut gegen die Krise behauptet haben. Dennoch erwartet Zalm, dass sich das kleine Land schlechter gegen die Entwicklung behaupten wird als der große Nachbar. Er rügte vor allem die europäische Politik und das Versagen der nationalen Regierungen mancher Staaten, die auf den Finanzmärkten für viel Unsicherheit gesorgt hätten. Wichtig sei eine deutliche Stärkung der europäischen Aufsicht über die Haushalte der einzelnen Staaten: „Diese Aufsicht muss nicht nur das Recht erhalten, einzelnen Staaten Bußen aufzuerlegen, sondern auch in die Haushaltsplanung einzugreifen“, so Zalm.
Zugleich bekannte sich der Chef einer der 15 größten europäischen Banken kritisch zur Rolle der Finanzinstitute und mahnte Reformen an: Europäische Banken mit zu wenig eigenem Kapital müssten verpflichtet werden, ihre eigenen Reserven zu verstärken, so Zalm vor dem Hintergrund des parallel in Brüssel stattfindenden Eurogipfels. Wer den Finanzinstituten die freie Wahl lasse, gefährde die Kreditvergabe an Unternehmen. „Es besteht die Gefahr, dass die Banken dann ihre Aktiva verkaufen und Einschnitte bei den Krediten vornehmen, statt neues Kapital aufzubauen“, so Zalm.
Zalm erteilte aber auch den Eurokritikern eine Absage. Spekulationen über eine verkleinerte Euro-Gruppe seien unrealistisch. Er halte es mit dem amerikanischen Ökonomen Joseph Stiglitz, so Zalm: „Jeder kann zwar aus drei Eiern ein Omelett zubereiten, aber aus dem Omelett wieder drei Eier zu machen, ist eine ganz andere Aufgabe.“ Der Prozess zu einer einheitlichen Wirtschaftsgemeinschaft in Europa fordere aber Zeit.
Kleine Windturbinen bieten großes Potential

Utrecht, 18. Oktober 2011
Deutsche und niederländische Unternehmen der Windbranche arbeiten bei Kleinwindanlagen immer enger zusammen. „In den vergangenen vier Jahren ist der deutsch-niederländische Austausch immer intensiver geworden. Die Niederlande bieten viel Wind, Deutschland die technologischen Ressourcen“, betonte Eric Effern von Windtest Grevenbroich GmbH im Rahmen des Deutsch-Niederländischen Energieforums „Kleine Windkraft“ am Dienstag, 18. Oktober 2011, in Utrecht. Organisiert hatte das Forum die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Veranstaltung war Teil einer Unternehmerreise, bei der sich sieben deutsche Spezialisten mehr als 60 niederländischen Partnern vorstellten.
Kleine Windturbinen sind Windräder mit einer maximalen Höhe von 15 Metern. Sie verursachen im Vergleich zu großen Windanlagen weniger Geräusche und eignen sich daher besser für besiedelte Regionen. Das größte Potenzial bestehe in der Landwirtschaft, weil dort abgeschlossene Energiekreisläufe bestehen, waren sich die Experten einig. Dies reduziere die Installationskosten und mache die Anlagen wettbewerbsfähiger. „Im ländlichen Raum gibt es genug Wind, und landwirtschaftliche Betriebe haben einen hohen Energiebedarf“, so Projektleiter Tobias Landwehr vom Bundesverband Kleinwindanlagen.
Allerdings ist auf dem Gebiet der kleinen Windturbinen noch viel zu tun: Ein Großteil der auf dem Markt angebotenenTurbinen erzielte bei einem mehrjährigen Test in der niederländischen Provinz Zeeland schlechtere Ergebnisse als erwartet – auch weil kleine Anlagen viel Wind erfordern, um sich zu rentieren. „Effiziente Turbinen werden derzeit ermittelt, und dann wird der Markt wachsen“, so Niek Tramper von der Vereniging Zeeuwind, die den Test ausführte.
Ein weiteres Problem für das internationale Geschäft: Europaweit existieren noch keine einheitlichen Standards für kleine Windturbinen. Die Regelungen Deutschlands und der Niederlande sind zwar sehr ähnlich, aber das Genehmigungsverfahren, um die länderspezifischen Zertifikate zu erhalten, ist teuer und zeitaufwändig. Produzenten und Investoren wünschen sich daher europaweite Normen, um ihre internationale Zusammenarbeit ausbauen zu können.
Die Unternehmerreise in die Niederlande war Teil der vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufenen Exportinitiative Erneuerbare Energien. „Seit 2002 haben durch dieses Programm 60 Prozent der Teilnehmer neue, internationale Kontakte aufgebaut“, so Volker Jaensch von der Renewables Academy RENAC Berlin.
Hier kommen Sie zu den einzelnen Präsentationen::
- RENAC AG - V. Jaensch
- Bundesverband für Kleinwindanlagen - T. Landwehr
- Small Wind Turbines - B. Klimbi
- Aircon GmbH & Co KG - K. Broek
- Easy Wind GmbH - M. Lesch
- PSW Energiesysteme GmbH - Dr. H. Schwieger
- Windtest Grevenbroich GmbH - E.Effern
- Sieb&Meyer AG - R. Sawallisch
- Zeeuwind - N. Tramper
- SMA Solar Technology AG - J. Roessler
- Ingenieurbüro Frey - Dr.-Ing. D. Frey
Knaus Tabbert gewinnt Wirtschaftspreis 2011

Den Bosch, 12. Oktober 2011
Die Knaus Tabbert GmbH aus dem bayerischen Jandelsbrunn hat den Deutsch-Niederländischen Wirtschaftspreis 2011 gewonnen. Geschäftsführer Giovanni Marcon nahm den Preis am Mittwoch, 12. Oktober 2011, anlässlich einer feierlichen Verleihung im niederländischen Den Bosch entgegen. Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) ehrt mit der renommierten Auszeichnung in jedem Jahr ein mittelständisches Unternehmen, das sich im grenzüberschreitenden Geschäftsleben besonders ausgezeichnet hat.
Der Reisemobil- und Caravanhersteller Knaus Tabbert war im Frühjahr 2009 von der niederländischen Investmentgesellschaft HTP Investments aus einer Insolvenz gerettet worden. Alle Werke wurden erhalten. Inzwischen schreibt das Traditionsunternehmen wieder Erfolge und gehört zu den größten Anbietern auf dem europäischen Markt. Pünktlich zum 50. Geburtstag der Kernmarke Knaus verzeichnet der Produzent ein Umsatzwachstum von 36 Prozent und legte im vergangenen Jahr auf dem Caravan Salon Düsseldorf eine Weltneuheit vor: Die Studie „Efficiency Line“ stattet Caravans künftig mit einem einzigartigen Hybrid-Antrieb aus.
Im Wettbewerb um den Wirtschaftspreis setzte sich Knaus Tabbert gegen 33 Mitbewerber durch. In der Endrunde sicherte sich das Unternehmen in einem Online-Voting 1.500 von 4.000 abgegebenen Stimmen.
„Dieser Sieg wäre ohne unseren niederländischen Investor niemals möglich gewesen, der 2009 in einer Phase, in der niemand sich an internationale Unternehmenskäufe heranwagte, in diesen Nischenmarkt investiert hat“, sagte Giovanni Marcon nach der Bekanntgabe des Gewinners. „Die vielen Stimmen, die wir bekommen haben, belegen das Vertrauen unserer Kunden und Händler in beiden Ländern.“
Auch Wim de Pundert, Eigentümer von HTP Investments, freute sich über die Auszeichnung. „Es war ein Risiko, in dieses Marktsegment einzutreten, aber zugleich eine große Chance“, so Pundert. „Inzwischen haben wir ein großes Netzwerk innerhalb der Branche aufgebaut, wie das Ergebnis der Abstimmung beweist.“
„Knaus Tabbert und HTP Investments zeigen gemeinsam, wie eine grenzüberschreitende Kooperation Arbeitsplätze sichern und zu neuer Innovation führen kann“, lobte Dick de Boer, Präsident der DNHK. Zugleich betonte er, wie stark das Bewerberfeld in diesem Jahr gewesen war. „Es gibt in vielen Sektoren eine enge und überaus innovative Zusammenarbeit, die von der Krise nicht beeinträchtigt wird.“
Andere Kandidaten in der engeren Auswahl für den Wirtschaftspreis 2011 waren das deutsche Tochterunternehmen Erbe Nederland, die Firma Solarlux Aluminium Systeme aus Osnabrück, der Oldenburger Busdienstleister Publicexpress, die niederländische Sanierungsfirma Laarakkers sowie das Solarunternehmen Horizon Energy aus Dordrecht.
Der Wirtschaftspreis ist nicht mit einem Geldbetrag verbunden. Er gilt im deutsch-niederländischen Geschäftsleben aber als wichtigste Anerkennung für unternehmerische Erfolge und innovative Leistungen. Im vergangenen Jahr war die Auszeichnung an das Erfo Bekleidungswerk in Nordhorn gegangen.
5. Sommerfest: Regen und viel Stimmung

Zeist, 17. Juni 2011
Auch ein kleines Jubiläum kann ungeachtet aller Traditionen so manche Überraschung bereit halten. Das fünfte Sommerfest der Deutsch-Niederländischen Handelskammer auf Schloss Zeist auf Schloss Zeist bei Utrecht bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Die erste war allerdings weniger erfreulich: Nach vier Jahren strahlenden Sonnenscheins musste das Fest erstmals einer kräftigen Regenböe trotzen – und dies genau in dem Moment, in dem die Gäste am Schloss eintrafen. Glücklicherweise wich der Regen so schnell, wie er gekommen war.
Die etwa 520 Gäste jedenfalls genossen die Auftritte von Magier Hans Kazàn, Sängerin Sandy Kandau alias ‚La voix magique‘ und Bossa-Nova-Chanteuse Fluvia die Domenico. Sportfreunde konnten ihre Hockeytalente bei einem Torschießen mit deutschen und niederländischen Nationalspielern testen. Eine Premiere für das Sommerfest war auch die Malerin Eva Moll, die die klassischen Säle in eine moderne Vernissage verwandelte. Im Gewölbe, das am Abend im Zeichen der BMW-Lounge stand, wurde bis nach 1 Uhr nachts getanzt. Dort sorgte die Band ‚Hot Town‘ mit 70’s-Klängen und Black Music für Party-Stimmung. Alles in allem ein trotz Regen sehr gelungenes Jubiläumsfest.
Niederlande wollen bei Dienstleistungen stärker kooperieren
Berlin, 13. April 2011
Die Niederlande wollen auf dem Dienstleistungsmarkt intensiver als bisher mit Deutschland zusammenarbeiten. Nur durch den Abbau von Markthindernissen und einen einfacheren Zugang zum benachbarten Arbeitsmarkt könnten beide Länder ihr Wachstum auf dem Dienstleistungsmarkt fortsetzen, sagte der niederländische Wirtschaftsminister Maxime Verhagen am Mittwoch anlässlich eines Unternehmerforums der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) in Berlin. Die Veranstaltung fand am Rande des Staatsbesuchs von Königin Beatrix in Deutschland statt.
Europaweit könne die Wirtschaft durch verbesserte Marktbedingungen um rund 140 Milliarden Euro wachsen, so Verhagen weiter. Die Niederlande wollen deshalb mehr denn je mit deutschen Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen kooperieren. Verhagen nannte als Beispiel die Zusammenarbeit mit Nordrhein-Westfalen auf dem Gebiet der Elektromobilität. Auch digitale Vernetzung sei ein Bestandteil der künftigen Strategie.
Verschiedene niederländische Dienstleister nutzten das Forum, um sich deutschen Geschäftspartnern vorzustellen. 2010 importierte Deutschland Dienstleistungen im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro aus dem Nachbarland. Zugleich exportierte die Bundesrepublik Leistungen in Höhe von mehr als sechs Milliarden Euro. „Das sind beeindruckende Zahlen, aber es besteht noch Luft nach oben“, so DNHK-Präsident Dick de Boer. Die Niederlande sind der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands. Viele niederländische Dienstleistungsunternehmen sind in Deutschland Marktführer, etwa die Direktbank ING DiBa, der Personaldienstleister Randstad und der Musicalanbieter Stage Entertainment.
Für ein kleines Land wie die Niederlande gebe es zum Export keine Alternative, betonte der niederländische Arbeitgeberpräsident Bernard Wientjes, der anlässlich des Forums neben verschiedenen Vertretern großer Unternehmen vor mehr als 130 Zuhörern auftrat. „Das bedeutet auch, gerade das Verhältnis zu unserem wichtigsten Partner Deutschland zu pflegen“, so Wientjes. Er begrüße es, dass die niederländische Delegation des Staatsbesuchs auch zahlreiche Unternehmer umfasse. „Niederländer haben die besondere Stärke, ihre Erfolgsformeln zu hinterfragen und sich auf den Zielmärkten ganz an die Bedürfnisse ihrer Kunden anzupassen. Das macht ihren internationalen Erfolg aus“, betonte Wientjes.
Stage Entertainment beschäftigt die Hälfte seiner 4.000 Mitarbeiter in Deutschland, davon allein 1.000 in Hamburg. „Wir haben Hamburg zur drittgrößten Musicalstadt der Welt gemacht“, so Stage-Vorstandschef Henk Kivits. Musicals wie „Tarzan“, „König der Löwen“ und das „Phantom der Oper“ genießen in der Bundesrepublik Kultstatus. Zuletzt startete das Berliner Musical „Hinterm Horizont“ mit Musik von Udo Lindenberg – ein Angebot, das bewusst auf viel Lokalkolorit setzt.
Auch andere Dienstleister aus den Niederlanden geben ihren deutschen Kunden das Gefühl, ganz zu Hause zu sein. So setzt ING DiBa in seinen Imagekampagnen auf den Slogan „DiBa und Du“. Der Wohlfühlfaktor gilt nicht nur für die Kunden, sondern soll auch die eigenen Mitarbeiter motivieren. „Gerade für einen Dienstleister ist eine hohe Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen besonders wichtig, um das Produkt den Kunden glaubhaft vermitteln zu können“, so ING-Chef Roland Boekhout. „Nicht umsonst sind wir inzwischen Deutschlands beliebteste Bank.“
Da hat es ein Personaldienstleister wie Randstad schon schwerer. „Wir begrüßen es jedenfalls sehr, dass Deutschland jetzt einen Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche einführt“, so Randstadt-CEO Ben Noteboom. Das könne dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz der Zeitarbeit auch in der Bundesrepublik zu vergrößern. Zurzeit nehme die Zeitarbeit in Deutschland nur 2,5 Prozent des Arbeitsangebots ein. Hier bestehe noch viel Potenzial. Gerade die Öffnung des europäischen Arbeitsmarkts werde auch in Deutschland für mehr Flexibilität sorgen.
Eine engere Vernetzung beider Länder, so die Sprecher einhellig, sei von elementarer Bedeutung. „Wir exportieren 25 Prozent unserer Waren und 13 Prozent unserer Dienstleistungen nach Deutschland“, so Noteboom. „Holland ist erfolgreich, weil Deutschland erfolgreich ist. Danke, Deutschland!“
Grenzüberschreitende Perspektiven im Gesundheitssektor

Utrecht, 17. März 2011
In der Gesundheitsbranche wird sich sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland viel verändern. Durch die Vergreisung und Kosteneinsparungen muss geschaut werden, wie mit den verfügbaren Mitteln ein hoher Qualitätsstandard gewährleistet werden kann. Für Anbieter des Sektors lohnt es sich darum, auch jenseits der Grenze Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zu erwägen, etwa im Bereich Einkauf. Zehn deutsche Betriebe führte die Unternehmerreise Gesundheitswirtschaft von NRW.international daher am 16. und 17. März 2011 zu verschiedenen niederländischen Gesundheitseinrichtungen und auf die Fachmesse ‘Zorgtotaal’ in Utrecht.
“Als Messeveranstalter freuen wir uns darüber, dass deutsche Anbieter aus dem Gesundheitssektor ihre innovativen Produkte hier präsentieren und Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit erkunden” sagt Evert-Jan Bos, Projektmanager der Zorgtotaal: “Ein großes Angebot an innovativen Ideen und kostensparenden Produkten ist wichtig für den Erfolg der Branche und natürlich dieser Messe.“ In Kooperationsgesprächen, die die Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) organisiert hatte, lernten die Teilnehmer niederländische Abnehmer und Vertriebspartner kennen. Innovation sei notwendig, um das Niveau der Pflege aufrecht zu erhalten, erzählt Peter Lalkens, Leiter Finanzen und Einkauf beim Ommelander Krankenhaus Groningen: “Durch die relativ großen Abstände zum nächstgelegenen Krankenhaus und den Personalmangel in unserer Region ist etwa Telemonitoring ein interessantes Thema für uns.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Lalkens die zunehmende Fettleibigkeit von Patienten: “Wir erwägen deshalb die Anwendung von Roboteranzügen, die das Pflegepersonal beim Verlegen der Patienten entlasten.”
Dass deutsche Gesundheitsanbieter für niederländische Einrichtungen einen Mehrwert liefern können, zeigt sich etwa an den Evakuationsdecken von Gelsenkirchener Werkstätten, die während der Messe auf großes Interesse stießen. „Unser Produkt ist einzigartig in seiner Art und wird von Behinderten hergestellt. Dadurch kommt auch ein sozialer Aspekt hinzu” so Vertreter Klaus-Hermann Külpmann. „Ich sehe die Einsparungen in der Pflege als Chance für uns als Anbieter im Gesundheitssektor“, sagt Mark van Alebeek von ‚Mecan‘, einem medizinischen Großhandel.“ Es gibt eine große Nachfrage nach guten Produkten, die die Effizienz verbessern können.“ Van Alebeek zeigte großes Interesse an den deutschen Anbietern: “Ich mache gerne Geschäfte mit Deutschen. Ihre Produkte sind von guter Qualität und man kann sich auf Absprachen verlassen. Außerdem ist die Kommunikation angenehm einfach.“ Umgekehrt besteht in Deutschland viel Interesse für niederländische Innovationen in der Gesundheitsbranche. Deshalb wird die DNHK eine Gruppe niederländischer Unternehmen zur Gesundheits- und IT-Messe conhIT in Berlin begleiten.
Deutsch-Niederländisches Energieforum 'Dezentrale Energieerzeugung innerhalb des Agrosektors'
Nottuln, 17. März 2011
Aktuelle Marktchancen und Trends im Bereich Biogasanlagen standen im Mittelpunkt des Deutsch-Niederländischen Energieforums mit dem Titel 'Dezentrale Energieerzeugung innerhalb des Agrosektors', das die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) am 17. März 2011 in Nottuln im Münsterland organisierte. Das Forum war Teil einer Unternehmerreise aus den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen. Themen des Forums waren unter anderem: Lage der landwirtschaftlichen Betriebe im Münsterland und in den Niederlanden, Biogasnutzung in der Landwirtschaft, Nahwärme und Gasspeicherung.
Die Präsentationen die während der Veranstaltung gezeigt wurden gibt es hier als Download:
- Biomass Research B.V. -Hans Langeveld
- Gelsenwasser AG - Dr. Ing. Bernhard Klocke, Fraunhofer UMSICHT Dr. Ing. Markus Hiebel
- Landwirtschaftskammer NRW - Dr. Joachim Matthias
- BioTorTech B.V.- Ina van Bommel
- Haffmans B.V. - Toine Toten
- Paques B.V. - Vera Groot Kormelinck
- Dorset Green Machines B.V. - Henno Haaring
- Host B.V. - Bart Brouwer
- Pro2 Anlagen Technik - Frank Steenhaut
- Dumea B.V. - Frederik Oegema
- Landesbauernverband e.V. - Harald Wedemeyer
- WLV-Service GmbH - Doris Nienhaus
Marken und Design: Die Macht der Konsumenten wächst

München, 12. November 2010
Konsumenten haben immer mehr Einfluss auf neue Produktdesigns und Markenstrategien von Unternehmen. Internationale Anbieter richten sich dabei zunehmend nach den Reaktionen, die Kunden über soziale Netzwerke und digitale Plattformen verbreiten. Das bestätigten Experten führender Konzerne und Markenbüros, die am 12. November 2010 anlässlich des Deutsch-Niederländischen Unternehmerforums "Marken machen Märkte" in München aktuelle Trends und Strategien diskutierten. Veranstalter war die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) gemeinsam mit dem Deutsch-Niederländischen Geschäftsforum München (DNG).
Für den Kauf eines Autos seien nach wie vor nicht Verbrauch, Preis oder Umweltverträglichkeit die Ausschlag gebenden Kaufkriterien, gab Jan-Christiaan Koenders, Geschäftsführer von BMW Niederlande, zu bedenken. Das mit Abstand wichtigste Verkaufsargument sei das Design des Fahrzeugs. Entsprechend wichtig sei es für die Hersteller, auf dem globalen Markt die Geschmäcker der Konsumenten zu vergleichen. In modernen Produktionsstätten arbeiten daher heute Ingenieure und Designer längst vernetzt und nutzen für ihre Arbeit die Anregungen von Kunden, die sich untereinander im Internet über Produkterfahrungen austauschen.
Kunden haben damit mehr Einfluss auf die Entwicklung neuer Produkte als je zuvor. Längst verfügen selbst mittelständische Betriebe über Abteilungen, die ganz gezielt Internetforen und soziale Netzwerke nach den Wünschen von Konsumenten durchforsten. Auch die Vermarktung von Produkten hat sich verlagert. "Wenn etwa ein Film oder ein Musikalbum heute lange vor ihrer Veröffentlichung im Netz zugänglich sind und von Nutzern besprochen werden, muss das Marketing genau diese Multiplikatoren frühzeitig und aktiv in die eigene Strategie einbeziehen", betonte Niko von Saurma, Leiter des Münchener Designbüros Designworks USA. "Es genügt längst nicht mehr, eine Ware auf den Markt zu bringen und dann zu überlegen, wie man sie den Kunden schmackhaft macht."
Die globalen Unterschiede machen es den Entwicklern nicht leicht. Ein chinesischer Kunde kümmert sich etwa weitaus weniger um Individualität und Umweltschutz als ein deutscher oder niederländischer Käufer. Zumindest in Westeuropa sei aber zu beobachten, dass sich die Kundenwünsche immer meh angleichen, waren sich die Experten vor etwa 90 Zuhörern in der BMW Welt einig. Viele Konsumenten wünschen sich Waren und Leistungen, die genau auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind, sie achten auf das soziale Engagement von Unternehmen und wollen die Umwelt schonen. "Nachhaltigkeit allein verkauft aber keine Produkte", so Koenders. "Schließlich möchte niemand einen Biokäse essen, wenn er nicht schmeckt."
Vielmehr müsse bei jedem Angebot der Genussfaktor berücksichtigt werden. Produkte sollen einfach zu bedienen sein, Spaß machen und dabei Raum für die ganz individuellen Wünsche des Kunden lassen. Ein Konzept, dass etwa auch für den niederländischen Elektronikkonzern Philips eine leitende Rolle in der eigenen Produktentwicklung und Markenkommunikation spielt. "Ein Kaffeepad in die Maschine, Knopfdruck, fertig", umschreibt Philips-Geschäftsführer Henrik Köhler das Prinzip: "Und trotzdem kann ich als Kunde heute zwischen mehr verschiedenen Kaffeesorten wählen als je zuvor."
Das Bewusstsein der Unternehmen, die Kunden in ihre Produktkonzeption einzubeziehen, ist gewachsen. Dennoch stehe die Entwicklung noch am Anfang, findet Johann Füller, Gründer des Markenbüros Hyve. "Dabei ist der Konsument in gewisser Weise der beste Designer", so Füller. Niemand kenne das Produkt genauer als der Anwender selbst. "Auch eine Entwicklungsabteilung mit 500 Personen wird die Bedürfnisse der Käufer nicht optimaler beurteilen können als ein soziales Netzwerk mit 300.000 Nutzern. Kunden wissen ganz genau, wie ihr ideales Produkt aussehen soll." In Zukunft werde es deshalb immer wichtiger werden, etwa im World Wide Web ein Bild über die Kundenwünsche zu gewinnen und erst dann das Produkt passgenau zu entwickeln. Kommt also demnächst der 'Chief Listening Officer'? So weit will Füller nicht gehen. "Eines aber ist sicher: Heute denken viele noch zuerst ans Produkt und erst dann an den Kunden: also genau verkehrt herum."
Auch bei der Vermarktung gewinne die Mund-zu-Mund-Propaganda des Internet an Bedeutung, ist Philips-Chef Köhler überzeugt: "Drei Viertel der Konsumenten vertraut den Empfehlungen anderer, aber nur 15 Prozent glauben den Inhalten einer Werbeanzeige." Dies gelte für die unterschiedlichsten Marktfelder. Beim Gebrauchtwagenkauf, gab BMW-Geschäftsführer Koenders zu bedenken, informieren sich in den Niederlanden schon jetzt nahezu 100 Prozent der Käufer über das Internet. Die Folgen sind greifbar: Die meisten Showrooms wurden bereits geschlossen, stattdessen sind Fotostudios und Online-Datenbanken in den Fokus der Verkäufer gerückt.
Foto: (v.l.) Niko von Saurma, Moderatorin Kerstin Schweighöfer, Jan-Christiaan Koenders, Henrik Köhler, Johann Füller.
Niederlande mit starker Präsenz auf der 'Security' in Essen
Essen, 8. Oktober 2010
Vom 5. bis 8. Oktober 2010 präsentierten sich 20 niederländische Unternehmen aus der Sicherheitsbranche auf einem gemeinsamen Holland-Stand auf der Security in Essen. Der 300m² große gemeinschaftliche Holland-Pavillon zog viele internationale Messebesucher an und zeigte, dass die Niederlande eine bedeutsame Rolle in der internationalen Sicherheitsbranche spielen.
Auch die Messe selber machte mit über 42.000 internationalen Besuchern und mit fast 1.100 Ausstellern ihrem Namen als weltweite Nummer eins für Sicherheitstechnik alle Ehre. Vor allem unter den Niederländern ist die Messe sehr bekannt und begehrt. Daher lockte sie 44 niederländische Aussteller und viele niederländische Fachbesucher, die im Vergleich zu anderen Nationen am stärksten vertreten waren.
Einige Unternehmen über ihre Teilnahme:
Fortress Staffing Services, Rob Otjens:
„Durch den Holland-Pavillon wird man international erkannt und anerkannt. Bereits am ersten Messetag konnten wir wichtige Menschen von Siemens auf unserem Stand begrüßen. Mit ihnen planten wir dann direkt für den dritten Messetag ein festes Folgegespräch ein.“
ISX Beveiliging, Frank Godee:
„Für die Fachbesucher war das kollektive Orange nicht übersehbar. Wir betreuen schon länger große Projekte, und durch die professionelle Präsentation in Essen haben wir unsere ausländischen Beziehungen definitiv überzeugen können und wichtige Geschäfte abschließen können.“
Easy Secure, Werner Roest:
“Nach den vier Messetagen hatte ich über 50 Visitenkarten gesammelt und viele Kontakten zu wichtigen Geschäftsleuten schließen können. Ohne die Teilnahme am Holland-Pavillon hätte ich niemals so viele wichtige Besucher angezogen.“
Erfo gewinnt den Wirtschaftspreis 2010
Utrecht, 6. Oktober 2010
Die Erfo Bekleidungswerk GmbH hat den Deutsch-Niederländischen Wirtschaftspreis 2010 gewonnen. Erfo setzte sich gegen 40 Mitbewerber durch. Die DNHK hatte aus allen Bewerbungen fünf Kandidaten ausgewählt. In den vergangenen Wochen gaben Besucher der DNHK-Internetseite mehr als 4.000 Stimmen ab. Die Handelskammer überreichte Erfo den Preis anlässlich einer Feierstunde in der Mercedes-Benz-Zentrale in Utrecht. Neben dem deutschen Botschafter Heinz-Peter Behr waren 75 Gäste aus Deutschland und den Niederlanden erschienen.



