Die EU hat mit gestaffelten Verboten begonnen, die Verwendung von Mikroplastik bis 2030 um ein Drittel zu reduzieren. Bioweg aus Quakenbrück hat als Alternative schnell abbaubare Mikropartikel aus natürlichen Quellen entwickelt und eröffnet in Kürze die Produktion im industriellen Maßstab. Mikroplastik auf Erdölbasis ist zum Beispiel in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens, einschließlich Körperpflegeprodukten, enthalten. Die Partikel werden erst nach Jahrzehnten abgebaut, über die Atemluft und die Nahrungskette vom Menschen aufgenommen und werden mit Gesundheitsproblemen bis hin zu Krebs in Verbindung gebracht.
Für die industrielle Produktion hat Bioweg 16 Millionen Euro eingesammelt und startet nun mit einer Fabrik direkt neben einer Zuckerraffinerie im Rheinland. Das biologische Mikroplastik besteht aus Zellulose, die in 60 Tagen abbaubar ist. Sie wird aus Abfällen der Lebensmittelindustrie durch Fermentation in Bioreaktoren gewonnen. Die neue Anlage im Rheinland nahe einer Zuckerfabrik soll Hunderttausende Tonnen produzieren, zehnmal so viel wie die bisherige Versuchsanlage. Bioweg bedient vor allem die Sektoren Körperpflege, Haushaltsartikel, Food und Landwirtschaft.
„Bioweg konzentriert sich nicht nur auf ‚biologisch abbaubar‘, sondern auch auf Ersatzstoffe mit gleichwertiger Leistung: gleiche Viskosität, Stabilität, Haltbarkeit und Verarbeitbarkeit wie fossile Polymere“, so CEO Dr. Patreek Mahalwar, Biologe wie auch Co-Gründer Srinivas Karuturi. Die Entwicklung von Bioweg könnte die Antwort sein auf zunehmenden regulatorischen Druck bei gleichzeitig wachsender Verbrauchersensibilität. „Daher übersteigt die Nachfrage derzeit die kurzfristigen Kapazitäten.“ Bislang hat Bioweg vier Patentfamilien erhalten und arbeitet an weiteren. Das Unternehmen hat in Deutschland bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
In der Vergangenheit ist Bioweg bereits Kooperationen mit führenden globalen Playern eingegangen, darunter Ginkgo Bioworks – Hauptinvestor: Bill Gates. Die Zusammenarbeit konzentrierte sich auf das umfassende Screening von mehreren hunderttausend Bakterienstämmen. Ziel war es, Stämme mit hohem Ertrag zu identifizieren, um Kosteneinsparungen im Produktionsprozess zu ermöglichen. Eine Kooperation mit Bayer zielt auf nachhaltigere Agrarformulierungen. Neueste Entwicklung: Zusammen mit der Technischen Universität Berlin erprobt Bioweg mit 1,5 Millionen Euro Forschungsgeldern, wie seltene Erden aus Elektronikschrott zurückgewonnen werden können.
Text: Claas Möller
Foto: Bioweg