Quantencomputer gelten als Schlüsseltechnologie der nächsten Jahrzehnte: Sie nutzen die Gesetze der Quantenphysik, um komplexe Aufgaben deutlich schneller zu lösen als herkömmliche Computer. Besonders aussichtsreich sind photonische Systeme. Sie arbeiten mit Lichtteilchen, sogenannten Photonen, als Informationsträger. Das macht sie besonders schnell, unempfindlich gegenüber Störungen und erfordert deutlich weniger Kühlung als andere Quantentechnologien.
Eine gemeinsame Hürde aller Ansätze ist der Schritt aus dem Labor in den praktischen Einsatz. Das auf photonische Quantencomputer spezialisierte Start-up Quix Quantum aus Enschede will genau diese Lücke schließen. „Wir entwickeln nicht nur photonische Chips“, erklärt Robin Wittland, Chief Commercial Officer bei Quix Quantum. „Wir verbinden Photonenquellen, Prozessoren, Detektoren, Steuerelektronik und Software zu einem vollständigen System.“
Dieser Ansatz trifft in Deutschland auf großes Interesse: Die Quantencomputing-Initiative des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR QCI), beauftragte die deutsche Niederlassung von QuiX Quantum mit der Entwicklung dieser Technologie am Innovationszentrum in Ulm und mit der Integration in die Produktivumgebung.
Seit Juli 2026 stehen dort alle Kernelemente für photonisches Quantenrechnen bereit. Das deutsch-niederländische Team verbindet und kalibriert die einzelnen Komponenten zu einem Gesamtsystem, das den Namen Carina trägt. „Die zentrale ingenieurtechnische Herausforderung besteht darin, das Gesamtsystem zuverlässig und reproduzierbar zum Laufen zu bringen“, erklärt Wittland. Quix hat für die enge Zusammenarbeit Standorte in Ulm und Stuttgart aufgebaut. Mit Referenzalgorithmen und Quantenprotokollen prüfen die Forschenden, ob Hardware, Steuerelektronik und Software reibungslos zusammenarbeiten. Dieser Projektabschnitt läuft voraussichtlich bis Anfang kommenden Jahres. Anschließend will die DLR QCI Carina als Rechenplattform für europäische Partner aus Industrie und Forschung öffnen. Dort wollen sie Use Cases unter Realbedingungen testen – ein wichtiger Schritt Richtung kommerzieller Einsatz.
Dass das Projekt über Landesgrenzen hinweg angelegt ist, sieht Wittland als wesentlichen Erfolgsfaktor, da die notwendigen Kompetenzen in ganz Europa verteilt sind. Die Zusammenarbeit zwischen Quix Quantum und der DLR QCI zeigt, wie sich diese Stärken in der Praxis kombinieren lassen: „Die Niederlande haben starke Kompetenzen in integrierter Photonik, Halbleitertechnologie und Quantenforschung. Deutschland bringt große Forschungsorganisationen, Industriekunden, ingenieurtechnische Expertise und eine Hochleistungsrechen-Infrastruktur ein.“ Karla Loida, Projektverantwortliche bei der DLR QCI, ergänzt: „Die Kombination verschiedener Kulturen, Hintergründe und Fachkenntnisse beschleunigt den Technologietransfer, da jeder Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.“
Und nicht zuletzt festigt das Projekt Europas Position im Quantencomputing.
Text: Jasmin Oberdorfer