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Neustart mit Kabinett Jetten: Wer übernimmt welches Ressort?

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Die Koalitionspläne der neuen niederländischen Regierungskoalition unter Ministerpräsident Rob Jetten wurden bereits vorgestellt. Am 23. Februar soll das neue „Kabinett Jetten“ von König Willem Alexander vereidigt werden. Eine detaillierte Aufstellung aller Ministerämter und ihrer jeweiligen Besetzung ist dieser Übersicht zu entnehmen.

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Die Ministerämter

Ministerpräsident: Rob Jetten (D66)

Rob Jetten ist Parteivorsitzender der sozialliberalen Partei D66 und designierter Ministerpräsident der Niederlande. Vor der Parlamentswahl 2025 führte er seine Partei als Spitzenkandidat und profilierte sich zuvor als erster niederländischer Minister für Klima und Energie sowie später als Vizepremier. In dieser Funktion initiierte er das bislang umfangreichste Klimaschutzpaket des Landes. Jetten engagierte er sich bereits während seines Studiums politisch, zunächst bei den Jungen Demokraten und später als Kommunalpolitiker in Nijmegen.

 

Er gilt als optimistischer Reformpolitiker und klarer Befürworter internationaler Zusammenarbeit und Chancengleichheit. Sein programmatischer Ansatz betont langfristige Zukunftsinvestitionen. Eine zentrale Herausforderung seiner Amtszeit wird es sein, eine stabile Zusammenarbeit innerhalb der ideologisch unterschiedlichen Koalition aus D66, VVD und CDA zu sichern und gleichzeitig tragfähige Mehrheiten im Parlament zu organisieren.

Verteidigungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin: Dilan Yeşilgöz (VVD)

Dilan Yeşilgöz wird Verteidigungsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin im neuen Kabinett. Nach zwei Jahren als Fraktionsvorsitzende der liberal-konservativen VVD kehrt sie auf einen Ministerposten zurück; zuvor war sie bereits Justiz- und Sicherheitsministerin im Kabinett Rutte IV. und gilt als durchsetzungsstarke Politikerin. Als Nachfolgerin von Mark Rutte führte Yeşilgöz die VVD erstmals in eine offenere Zusammenarbeit mit rechten Parteien und spielte eine zentrale Rolle bei der Bildung früherer Regierungen. Als Verteidigungsministerin verantwortet sie künftig die niederländische Sicherheits- und Militärpolitik in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld.

Ministers für Asyl und Migration und stellvertretender Ministerpräsident: Bart van den Brink (CDA)

Bart van den Brink übernimmt für den CDA das Amt des Ministers für Asyl und Migration und wird zugleich stellvertretender Ministerpräsident. Als langjähriger Kommunikationschef der CDA-Fraktion bringt er umfassende Erfahrung im politischen Management und in der öffentlichen Vermittlung komplexer Themen mit. Seit rund zwanzig Jahren ist Van den Brink in der Den Haager Politik aktiv; seit 2023 ist er Mitglied der Zweiten Kammer, wo er bereits das Asylressort betreute. Als Vizepremier koordiniert er den Anteil seiner Partei an der Regierung und verantwortet eines der politisch umstrittensten Dossiers der niederländischen Politik.

Minister für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit: Sjoerd Sjoerdsma (D66)

Sjoerd Wiemer Sjoerdsma ist ein Politiker der Democrats 66 (D66) und soll im neuen Kabinett Jetten als Minister für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit dienen. Er war zuvor über ein Jahrzehnt Mitglied der Tweede Kamer (niederländisches Repräsentantenhaus), wo er vor allem in außenpolitischen Themenprofilen aktiv war. Sjoerdsma gilt als profilierter außenpolitischer Denker mit besonderem Fokus auf Menschenrechte, EU-Politik und internationale Beziehungen.

Ministerin für Wirtschaft und Klima: Heleen Herbert (CDA)

Heleen Herbert wird für die christdemokratische Partei CDA neue Ministerin für Wirtschaft und Klima. Anders als viele Kabinettsmitglieder stammt sie nicht aus der aktiven Tagespolitik, sondern bringt langjährige Führungserfahrung aus dem Verkehrswesen und der Baubranche mit. Diese Erfahrung mit Themen wie Energiewende, Kreislaufwirtschaft, Wohnungsbau, Klimaanpassung und Biodiversität soll sie nun in die Regierung einbringen. Innerhalb des CDA gilt Herbert als erfahrene Managerin mit analytischem Blick und starkem Praxisbezug, die wirtschaftliche Entwicklung und Klimapolitik miteinander verbinden soll.

Finanzminister: Eelco Heinen (VVD)

Eelco Heinen bleibt Finanzminister der Niederlande und gehört der liberal-konservativen Partei VVD an. Innerhalb der niederländischen Politik gilt er als ausgesprochen meinungsstark und als klarer Verfechter strenger Haushaltsdisziplin. Seine berufliche Laufbahn begann er 2008 im niederländischen Finanzministerium, bevor er 2011 als Ökonom zur VVD-Fraktion wechselte. Seit 2021 ist er selbst Mitglied der Zweiten Kammer. Innerhalb der VVD gewann Heinen zuletzt erheblich an Einfluss, unter anderem als finanzpolitischer Sprecher und als Kampagnenleiter bei der Parlamentswahl 2023.

Außenminister: Tom Berendsen (CDA)

Tom Berendsen wird Außenminister der Niederlande und gehört der christdemokratischen Partei CDA an. Zuvor war er Mitglied des Europäischen Parlaments, wo er sich besonders für ein stärkeres, widerstandsfähigeres und strategisch unabhängigeres Europa eingesetzt hat. Berendsen fordert seit Jahren, dass Europa seine wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten von anderen Weltregionen reduziert und geopolitisch handlungsfähiger wird. Ein besonderes Augenmerk legt er auf den Schutz kritischer Infrastruktur vor ausländischer Einflussnahme, etwa durch chinesische Investoren.

Ministerin für Klima und Grünes Wachstum: Stientje van Veldhoven (D66)

Stientje van Veldhoven übernimmt für die sozialliberale Partei D66 das Amt der Ministerin für Klima und Grünes Wachstum. Bereits als Staatssekretärin für Infrastruktur und Wasserstaat im Kabinett Rutte III war sie maßgeblich an den Verhandlungen zum niederländischen Klimaschutzabkommen beteiligt. Nach ihrem Ausscheiden aus der nationalen Politik arbeitete sie als Vizepräsidentin des World Resources Institute und gründete ein Beratungsunternehmen für nachhaltige Industriepolitik in Europa. In ihrer neuen Funktion soll sie insbesondere die Energiewende beschleunigen und Industrie- sowie Klimapolitik stärker miteinander verzahnen.

Minister für Inneres und Königreichsbeziehungen: Pieter Heerma (CDA)

Pieter Heerma wird für die christdemokratische Partei CDA Minister für Inneres und Königreichsbeziehungen. Er verfügt über langjährige parlamentarische Erfahrung und war insgesamt elf Jahre Mitglied der Zweiten Kammer. Von 2019 bis 2023 führte er die CDA-Fraktion und prägte in dieser Zeit maßgeblich den Kurs der Partei. Heermas sachlicher Stil und seine mediale Zurückhaltung brachten ihm den Spitznamen „der große freundliche Riese“ ein. Als Innenminister wird er künftig Verantwortung für Verwaltung, Demokratie, Wohnungswesen und die Beziehungen innerhalb des Königreichs der Niederlande tragen.

Ministerin für Wohnungsbau und Raumordnung: Elanor Boekholt O’Sullivan (D66)

Elanor Boekholt O’Sullivan wird für D66 Ministerin für Wohnungsbau und Raumordnung. Sie ist die erste Frau im Rang einer niederländischen Generalleutnantin und machte sich in der Armee insbesondere für Gleichberechtigung und Sicherheit von Frauen stark. Für ihren Einsatz erhielt sie 2026 die Aletta-Jacobs-Auszeichnung. Den aktiven Dienst bei den Streitkräften wird sie für den Wechsel in die Politik beenden. Als Ministerin übernimmt Boekholt-O’Sullivan ein zentrales Ressort mit großen politischen Ambitionen, darunter der massive Ausbau des Wohnungsbaus.

Minister für Justiz und Sicherheit: David van Weel (VVD)

David van Weel übernimmt erneut das Amt des Ministers für Justiz und Sicherheit für die VVD. Er arbeitete unter anderem im Verteidigungsministerium, war Berater von Premierminister Mark Rutte und zählte zu den wichtigsten Beratern des ehemaligen NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg. Politisch steht van Weel für einen sicherheitsorientierten, zugleich aber dialogbetonten Ansatz. Als Justizminister will er den Rechtsstaat stärken, Korruption bekämpfen und die innere Sicherheit erhöhen. Gleichzeitig steht er vor großen strukturellen Herausforderungen, darunter akuter Personalmangel bei Polizei, Justiz und Strafvollzug.

Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft: Vincent Karremans (VVD)

Vincent Karremans wird für die VVD Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft und zählt zu den medienwirksamsten Politikern seiner Partei. Vor seinem Wechsel in die nationale Politik war er Unternehmer und baute unter anderem eine Online-Jobplattform auf. Seine politische Karriere begann in Rotterdam, wo er als VVD-Spitzenkandidat auftrat, bevor er 2024 als Staatssekretär für Jugend, Prävention und Sport nach Den Haag wechselte. Zu seinen zentralen Aufgaben gehören die Wiederaufnahme zahlreicher gestoppter Infrastrukturprojekte sowie die Finanzierung dringend notwendiger Wartungsarbeiten an Verkehrs- und Wasserbauwerken.

Minister für Arbeit und Teilhabe: Thierry Aartsen (VVD)

Thierry Aartsen wird Minister für Arbeit und Teilhabe für die VVD und gehört zu den jüngeren Gesichtern der Regierung. Seit seinem Einzug in die Zweite Kammer im Jahr 2018 profilierte er sich als Vertreter einer volksnahen Politik. Dabei setzte er sich unter anderem für eine stärkere Anerkennung von Volkskultur ein. Regierungserfahrung sammelte er bereits als Staatssekretär für Infrastruktur und Wasserwirtschaft. Als Arbeitsminister wird er künftig zentrale Reformen im Arbeitsmarkt, bei Sozialleistungen und bei der Integration von Arbeitskräften vorantreiben.

Minister für Arbeit und Soziales: Hans Vijlbrief (D66)

Hans Vijlbrief wird für D66 Minister für Arbeit und Soziales und übernimmt damit eines der politisch sensibelsten Ressorts der neuen Regierung. Der Volkswirt verfügt über umfangreiche Regierungserfahrung und arbeitete lange als Generalschatzmeister im niederländischen Finanzministerium, war dann als Staatssekretär für Finanzen und später als Staatssekretär für Bergbau tätig. Vijlbrief gilt als konsensorientierter Politiker mit starkem sozialem Engagement. Als Arbeits- und Sozialminister steht er vor der Herausforderung, umfassende Sparmaßnahmen im Sozialstaat umzusetzen.

Ministerin für Gesundheit, Wohlbefinden und Sport: Sophie Hermans (VVD)

Sophie Hermans übernimmt für die VVD das Amt der Ministerin für Gesundheit, Wohlbefinden und Sport. Sie begann ihre politische Karriere in Den Haag im Jahr 2012. Im Kabinett Schoof sammelte sie erstmals Regierungserfahrung als Ministerin für Klima und Grünes Wachstum. Hermans gilt als konsensorientierte Politikerin mit einem kooperativen Führungsstil. In ihrem neuen Ressort steht sie vor großen Herausforderungen: Sie soll umfangreiche Reformen im Gesundheitswesen umsetzen und gleichzeitig erhebliche Einsparungen im Sozial- und Gesundheitssystem realisieren.

Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft: Rianne Letschert (D66)

Rianne Letschert wird für D66 Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft und bringt vor allem umfangreiche Erfahrung aus Wissenschaft und Hochschulmanagement mit. Letschert ist promovierte Juristin und machte sich zuvor insbesondere als Rektorin der Universität Maastricht einen Namen. Als Führungspersönlichkeit gilt sie als konsensorientiert, pragmatisch und dialogbereit. In ihrem neuen Ministeramt steht Letschert vor erheblichen Herausforderungen, darunter der akute Lehrkräftemangel, sinkende Bildungsleistungen im internationalen Vergleich sowie Finanzierungsfragen im Hochschulbereich.

Minister für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungssicherheit und Natur: Jaimi van Essen (D66)

Jaimi van Essen wird für D66 Minister für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungssicherheit und Natur und gehört zu den jüngsten Mitgliedern des Kabinetts. Der Politikwissenschaftler begann seine politische Karriere bereits mit 24 Jahren im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Losser und wurde später Beigeordneter (Wethouder) der Stadt Deventer. In seinem neuen Ressort steht van Essen steht unter anderem vor der Aufgabe, die Stickstoffbelastung, vor allem durch die Landwirtschaft, deutlich zu senken. Innerhalb von D66 gilt van Essen als politisches Nachwuchstalent mit starkem Fokus auf nachhaltige Transformation.

Ministerin für Langzeitpflege, Jugend und Sport: Mirjam Sterk (CDA)

Mirjam Sterk wird für den CDA Ministerin für Langzeitpflege, Jugend und Sport und kehrt nach vielen Jahren außerhalb der nationalen Politik nach Den Haag zurück. Bereits zwischen 2002 und 2012 war sie Mitglied der Zweiten Kammer und zeitweise stellvertretende Fraktionsvorsitzende des CDA. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament übernahm Sterk verschiedene gesellschaftliche und administrative Funktionen, unter anderem als Sonderbeauftragte für Jugendbeschäftigung und als Leiterin einer Organisation für Menschen mit Behinderungen. Sie gilt als zielorientierte und engagierte Politikerin mit starkem sozialpolitischem Profil.

Text: Anne Köster

Foto: Jeroen Jumelet / ANP

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