Rob Jetten ist Parteivorsitzender der linksliberalen, progressiven Partei D66 und mit 38 Jahren bei der Vereidigung der jüngste Ministerpräsident der Niederlande. Zugleich stellt erstmals D66 den Regierungschef. Vor der Parlamentswahl 2025 führte er seine Partei als Spitzenkandidat und profilierte sich zuvor als erster niederländischer Minister für Klima und Energie sowie später als Vizepremier. In dieser Funktion initiierte er das bislang umfangreichste Klimaschutzpaket des Landes. Jetten engagierte sich bereits während seines Studiums politisch, zunächst bei den Jungen Demokraten und später als Kommunalpolitiker in Nijmegen.
Er gilt als optimistischer Reformpolitiker und klarer Befürworter internationaler Zusammenarbeit und Chancengleichheit und ist proeuropäisch. Sein programmatischer Ansatz betont langfristige Zukunftsinvestitionen. Eine zentrale Herausforderung seiner Amtszeit wird es sein, eine stabile Zusammenarbeit innerhalb der ideologisch unterschiedlichen Koalition aus D66, VVD und CDA zu sichern und gleichzeitig tragfähige Mehrheiten im Parlament zu organisieren. Denn seine Regierung hat keine Mehrheit. Um die verschiedenen Vorhaben umzusetzen, ist eine konstruktive Zusammenarbeit mit verschiedenen Oppositionsparteien nötig. Eine "Politik der ausgestreckten Hand" kündigte Jetten bereits bei der Verkündung der Koalitionspläne Ende Januar an.
Für die Niederlande ist das Minderheitskabinett ein neues Experiment. Es könnte schwierig werden, für die von vielen Akteuren ersehnte politische Stabilität zu sorgen, befürchten die einen. Andere hingegen sehen in den auf der Suche nach Mehrheiten nötigen Gesprächen durchaus Chancen, denn auf diese Weise könnte breiter Konsens erreicht werden und politische Entscheidungen könnten eine breite Unterstützung in der Gesellschaft finden, wie zum Beispiel Focco Vijselaar, Chef des größten niederländischen Arbeitgeberverbandes VNO-NCW, in seinem Gastkommentar "An die Arbeit" für die DNHK schreibt.