Nord-Brabant setzt auf Circular Bioeconomy. Ziel ist es, den Einsatz primärer Rohstoffe in der Provinz bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Leuchtturmprojekte – auch in der grünen Chemie – sollen dazu beitragen, dass die Niederlande bis 2050 vollständig zirkulär wirtschaften.
Mit dabei: die Rodenburg Unternehmensgruppe. Das 80 Jahre alte Familienunternehmen setzte von Beginn an auf Stärke und pflanzliche Rohstoffe: Gründer Ariel Rodenburg stellte schon in den 1950er-Jahren Tierfutter aus Kartoffelnebenprodukten her, die er von benachbarten Fabriken bekam. Sein Sohn Aaik konzentrierte sich 40 Jahre später mit Rodenburg Bioplastics und Rodenburg Bio-Industrial Ingredients auf die Entwicklung von Biokunststoffen. Und die Enkel Thijs und Joost gründeten im Jahr 2017 den Geschäftsbereich Tony Starch: Eine Pilotanlage in Oosterhout gewinnt in einem patentierten Verfahren aus pflanzlicher Stärke Dialdehydstärke (DAS). „Mit DAS bieten wir eine fossilfreie und ungiftige Alternative zu herkömmlichen Chemikalien“, sagt CEO Thijs Rodenburg. Mehr als 400 Anwendungen wurden bereits identifiziert – etwa in Körperpflegeprodukten, Lederverarbeitung und Medizintechnik.
Nord-Brabant – Landwirtschaft trifft auf Industrie und Forschung
Die Standortwahl war laut Rodenburg entscheidend: „Die Region bietet eine seltene Kombination aus Verfügbarkeit von Rohstoffen, industrieller Erfahrung und pragmatischer Innovationsfähigkeit – wesentliche Voraussetzungen, um pflanzenbasierte Biotechnologie wirtschaftlich rentabel zu machen. Als eine der produktivsten Agrar- und Lebensmittelregionen Europas fallen hier große Mengen an Restbiomasse an – rund 35,5 Kilotonnen pro Jahr. Dank guter Verkehrs- und Logistikanbindungen gelangen Rohstoffe und Endprodukte schnell zu den Verarbeitern und Kunden in ganz Europa.
Gleichzeitig wirbt Nord-Brabant mit einem dynamischen Ökosystem aus Unternehmen, Forschungsinstituten und Testanlagen. „Die kurzen Feedback-Schleifen zwischen den Beteiligten reduzieren das Entwicklungsrisiko und beschleunigen die Lernzyklen“, sagt Rodenburg. Initiativen wie Groene Chemie Nieuwe Economy oder Het Plantbased Netwerk fördern den Interessensaustausch und Kooperationen. Mit Einrichtungen wie dem Green Chemistry Campus in Bergen op Zoom und dem Pivot Park in Oss verfügt Nord-Brabant zudem über mehrere Hotspots für Biopharmazie und Bioökonomie. Auf Initiative der Rodenburg-Gruppe soll noch ein weiterer Campus entstehen: Im Side Stream Innovation Valley in Oosterhout werden künftig Studierende, Forschende und Start-ups auf 10.000 Quadratmetern an der industriellen Verwertung von Lebensmittelabfällen arbeiten.