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Auf der Suche nach dem nächsten großen Ding

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Was Auto, E-Mail und Smartphone verbindet? Sie haben die Welt verändert. Doch radikale technologische Neuerungen kamen zuletzt weniger aus Deutschland. Mit der „Agentur für Sprunginnovationen“ will die Bundesrepublik wieder Zukunft schreiben.

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Im Auftrag der Regierung Genies finden und ihre bahnbrechenden Ideen schnell zum Markterfolg bringen – so könnte man die Aufgabe von Rafael Laguna de la Vera in aller Kürze umschreiben. Der erfolgreiche Unternehmer war 2019 von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zum Gründungsdirektor der neuen „Agentur für Sprunginnovationen“ berufen worden. Mit einem Budget von 1,15 Milliarden Euro soll vor allem eines gelingen: die Innovationsführerschaft der deutschen Wirtschaft im nationalen Umfeld zu sichern. 

 

Denn es passiert zu oft, dass in der entscheidenden Wachstumsphase eines Start-ups die Finanzierung fehlt. „Das endet dann häufig so, dass diese Start-up-Perlen von ausländischen Unternehmen übernommen werden – und die Wertschöpfung somit das Land verlässt“, sagt Laguna in einem Interview nach seiner Berufung. Bestes Beispiel: Das Musikkomprimierungsformat MP3 wurde zwar in Deutschland entwickelt, Geld verdienen heute aber vor allem internationale Player wie Apple oder Spotify. Ziel ist es, die Start-ups nicht nur zu fördern, sondern auch in Deutschland zu halten. 

 

Eine wichtige Aufgabe der Agentur wird es daher sein, Forschungsansätze herauszufiltern, die das Potenzial haben, alte Geschäftsmodelle völlig auf den Kopf zu stellen. Dafür brauche es eine „Nase für Hipos“, betont der gebürtige Leipziger Laguna. Gemeint sind damit High Potential Persons, die noch keine Möglichkeit zur Umsetzung ihrer Idee gefunden haben. Im Rahmen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) soll ihre Vision dann zügig realisiert werden.  

 

Gleichzeitig werden die Entrepreneure durch erfahrene Unternehmer gecoacht sowie im kaufmännischen, administrativen oder juristischen Bereich unterstützt. Obendrauf gibt es Kontakte zur Industrie, Politik, Finanzwirtschaft und Medien. Laguna, der an der Harvard Business School Betriebswirtschaft studiert hat und bei seinem eigenen Unternehmen Open-Xchance 270 Menschen beschäftigt, bringt hier selbst einige Erfahrung mit. 

 

Laguna möchte in seiner Funktion auch Brücken schlagen – zwischen Forschung und Wirtschaft. Noch immer seien Professor und Unternehmer Schimpfworte auf der jeweils anderen Seite. „Ich will dafür sorgen, dass es cool ist, gute Ideen aus der Wissenschaft erfolgreich zu machen.“ Drei Pilotinitiativwettbewerbe zu den Themen „Energieeffizientes KI-System“, „Organersatz aus dem Labor“ und „Weltspeicher“ sind gestartet. Und an Visionen für das nächste große Ding fehlt es in Deutschland offenbar nicht. Dem Handelsblatt sagte Laguna jüngst, dass er stapelweise Ideen zugeschickt bekomme. 

 

Text: Ruth van Doornik 

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