Die Idee hinter dem Fahrzeug mit dem Namen PAL-V Liberty ist ebenso praktisch wie logisch. Wer auf einem Flughafen landet, ist meist noch nicht am eigentlichen Ziel. „Mit unserem Fahrzeug hast du immer eine Alternative“, erklärt Koning. „Nach der Landung klappst du die Propeller ein und fährst mit bis zu 170 Stundenkilometern ganz normal weiter.“ Die Reichweite? „Auf der Straße rund 1.300 Kilometer, in der Luft bis zu 500 Kilometer – abhängig von der Beladung.“
Von der Erfahrung zur Innovation
Entstanden ist das Konzept aus persönlicher Erfahrung. Der Erfinder von PAL-V machte selbst den Flugschein und stellte schnell fest, wie eingeschränkt die klassische Luftfahrt sein kann. „Man muss immer wieder zum selben Ort zurück oder zumindest zu einem Flughafen“, so Koning. „Und bei schlechtem Wetter kann man oft gar nicht starten. Dann braucht man doch wieder ein Auto.“
Gemeinsam mit Universitäten, dem niederländischen Luft- und Raumfahrtzentrum NLR sowie verschiedenen Designbüros wurde deshalb nach einer Lösung gesucht: ein Fahrzeug, das sowohl den Anforderungen des Straßenverkehrs als auch der Luftfahrt entspricht. Koning stieß 2006 zum Projekt. „Ich habe zuvor bei KPMG gearbeitet und kam ins Team, um zu prüfen, wie wir daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell machen können.“ 2012 baute PAL-V einen ersten Prototyp. „Damit konnten wir zeigen, dass es technisch machbar ist – und innerhalb der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen funktioniert.“
Entwicklung entlang der Regulierung
Genau darin sieht Koning den entscheidenden Erfolgsfaktor von PAL-V. „Viele Unternehmen entwickeln zunächst ein Produkt und versuchen anschließend, es irgendwie regelkonform zu machen. Wir sind den umgekehrten Weg gegangen: Von Anfang an haben wir die gesetzlichen Vorgaben konsequent mitgedacht.“ DasErgebnis ist eine Fly-Drive-Lösung mit zwei Sitzen, die bereits für den Straßenverkehr zertifiziert ist und im Bereich der Luftfahrt weiter ist als alle Wettbewerber. „Es gibt schlicht keine technischen Einwände mehr.“
Chancen auf dem deutschen Markt
Mit Blick auf Größe und geografische Nähe richtet sich das Start-up auch gezielt auf Deutschland aus. „Wir haben einen Vertriebspartner in Bayern, in der Nähe von München“, sagt Koning. Deutschland eignet sich besonders gut für fliegende Fahrzeuge: „Es liegt zentral in Europa, die Entfernungen sind größer und es gibt deutlich mehr Flugplätze – über tausend, im Vergleich zu nur 21 in den Niederlanden.“ Ein spontaner Flug über die Alpen? „Mit einer Fly-Drive-Fahrzeug wird das plötzlich sehr praktikabel.“ Auch für Hausärzte im ländlichen Raum eröffnen sich neue Möglichkeiten, ihr Einzugsgebiet erheblich zu erweitern. Zudem verfüge Deutschland über eine starke Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Kulturelle Unterschiede sieht Koning dennoch: „Niederländer sind oft etwas experimentierfreudiger. Deutsche wollen zunächst Klarheit und Sicherheit – vor allem bei der Zertifizierung. Aber genau hier liegt unsere Stärke.“
Von Privatkunden bis zu Einsatzdiensten
PAL-V richtet sich nicht nur an Privatpersonen, sondern vor allem an gewerbliche und öffentliche Anwender. „Denk Sie beispielsweise an Feuerwehr, Polizei oder andere zivile Dienste“, so Koning. Die erste Produktionsserie wird in den Niederlanden sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen produziert.
Das Fliegen mit der PAL-V soll deutlich zugänglicher sein als mit einem klassischen Flugzeug oder Hubschrauber. „Man benötigt zwar einen Führerschein und einen Flugschein – Letzteren kann man bei uns innerhalb von sechs Wochen erwerben. Die Ausbildung ist bereits gestartet.“
Internationale Expansion
In den kommenden Jahren steht der weltweite Ausbau im Fokus: mit Montagewerken, Wartungsstützpunkten, Ausbildungszentren und Experience Centern. In Europa sollen ein bis zwei Hubs entstehen, weitere sind in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien geplant. “Unser Ziel ist ein globales Netzwerk. Dafür brauchen wir Investoren” sagt Koning. “Wenn diese Struktur steht, können wir in anderthalb bis zwei Jahren die ersten Fahrzeuge ausliefern.”
Dass der Weg dorthin lang war, weiß Koning nur zu gut. “Aber jetzt stehen wir an dem Punkt, an dem Fahren und Fliegen wirklich zusammenkommen.”