Energie
Unternehmerreisen

Deutsch-niederländische Zusammenarbeit für eine erfolgreiche Wasserstoffwirtschaft

07.07.2021

Wie können Deutschland und die Niederlande gemeinsam eine Wasserstoff-Industrie aufbauen? Das war ein zentrales Thema während des Staatsbesuchs von König Willem Alexander und Königin Maxima in Berlin.

Hauptschauplatz: Das binationale Wasserstoff-Symposium, zu dessen Organisatoren auch die DNHK zählte. Beide Länder brachten hier ihre Expertise ein, um gemeinsam die Energiewende im Bereich Wasserstoff erfolgreich anzugehen. Eröffnet wurde das Symposium von Ingrid Thijssen, Präsidentin des größten niederländischen Arbeitgeberverbandes VNO-NCW. Sie blickte auf die sechziger Jahre zurück, als das Groninger Gasfeld entdeckt wurde, von dem sowohl die Niederlande als auch Deutschland profitierten. „Das war einmal", betonte Thijssen und verwies darauf, dass die Niederlande ihren Gasverbrauch seit einiger Zeit drastisch reduzieren. Zeit also, dass sich was ändert. „Wir haben die Gaspipelines, die leeren Gasfelder unter der Erde und die funktionierenden Windparks“, so Thijssen. „Wir müssen anfangen, diese Ressourcen für nachhaltige Energie zu nutzen."

Die Arbeitgeberpräsidentin sieht Wasserstoff nicht nur als eine Möglichkeit, den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 zurückzudrängen. Der neue Energieträger werde auch wirtschaftliche Wirkung entfalten und neue Arbeitsplätze schaffen, ist sie sich sicher. „Veränderungen sind allerdings nicht einfach“, mahnte Thijssen. „Wir bringen nicht einen Menschen auf den Mond, sondern eine Menge Leute auf den Mars." Europa müsse einen gemeinsamen Markt aufbauen, so die VNO-NVW-Chefin. Deutschland und die Niederlande sollten dabei ein grenzüberschreitendes Netzwerk aufbauen, um gemeinsam blauen und grünen Wasserstoff zu produzieren.

Dr. Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter Grüner Wasserstoff im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sprach unter anderem über den Ausbau von Windparks als wichtigen ersten Schritt. „Wenn wir uns dafür einsetzen, können wir auf eine wichtige Energiequelle bauen." Kaufmann sieht den grünen Wasserstoff als Jahrhundertchance und Deutschland als Vorreiter bei Wasserstofflösungen. „Aber für den Erfolg müssen wir zusammenarbeiten", macht auch er deutlich. „Sowohl die deutsche als auch die niederländische Regierung ergreifen Initiativen, um ein starkes, europäisches Netzwerk aufzubauen. Das Ziel: nicht nur Hindernisse zu beseitigen, sondern den Weg zu ebnen, um die Möglichkeiten des Wasserstoffs voll auszuschöpfen."

Eine zentrale Rolle im künftigen Wasserstoffnetzwerk wird sicherlich dem Hafen Rotterdam zukommen. „Wir investieren bereits in Möglichkeiten, Wasserstoff zu transportieren, zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen oder weiter ins Hinterland", berichtete Unternehmenschef Allard Castelein. „Die Entwicklungen auf dem Gebiet des Wasserstoffs schreiten rasant voran und wir sind weltweit in Gesprächen, um herauszufinden, wie wir dazu beitragen können." Einen besonderen Vorteil sieht der CEO des Hafenbetriebs Rotterdam darin, dass Wasserstoff rund um den Globus produziert werden kann. „Wir wollen jetzt die notwendigen Schritte gehen, die für den Transport notwendig sind, denn wir gehen davon aus, dass es bis 2030 weltweit einen erheblichen Bedarf an Wasserstoff geben wird."

Transport von Wasserstoff

Auch Dr. Arnd Köfler, CTO von thyssenkrupp Steel Europe, hält die Zeit für reif. Die globale Wasserstoffwirtschaft müsse und könne jetzt aktiv werden. „Es gibt bereits viele Pläne, wir müssen sie nur noch umsetzen." Han Fennema, CEO von GasUnie, betonte, dass bestehende Gaspipelines für Wasserstoff genutzt werden können. Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender von EWE, brachte das Thema Versorgungssicherheit ein. „Der Wind weht nicht ständig und die Sonne scheint nicht immer. Von daher müssen wir uns auch auf die Energiespeicherung konzentrieren." Darüber hinaus sei es wichtig ein Gesamtbild der Industrie zu entwerfen und sich nicht zu sehr auf die einzelnen Puzzleteile zu konzentrieren.

Forschung und Innovation

Die knappen Ressourcen für die Herstellung von grünem Wasserstoff waren das Thema von Prof. Dr. Matthias Wesseling, Vizerektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. „Wir benötigen große Mengen Wasser und Biomasse, aber unser Oberflächenwasser ist begrenzt, unter anderem wegen der immer häufigeren Dürreperioden." Deshalb, so Wesseling, sollten wir uns mit wiederverwertbarem Wasser, nachhaltiger Biomasse und erneuerbaren Energien beschäftigen. Eine Herausforderung, die am besten grenzüberschreitend angegangen werden kann. Auch Prof. Dr. Richard van de Sanden, wissenschaftlicher Direktor am Eindhoven Institute for Renewable Energy Systems, plädierte für eine internationale Kooperation. Der Wasserstoff-Bedarf sei so groß, dass eine unglaubliche Menge an Wasserstoff produziert werden müsse. „Wir müssen daher auch gemeinsam in die Ausbildung von Talenten investieren, um das Wissen über Wasserstoff weiter auszubauen." Katja Baumann, Geschäftsführerin von MARIKO ergänzte, dass Informationen über Nachhaltigkeit und Wasserstoff für Unternehmen zugänglich sein sollten. „Bringen Sie den Professor und das Unternehmen zusammen", forderte die Firmenchefin.

Podiumsdiskussion Shell und Siemens

Marjan van Loon, Präsidentin und CEO von Shell Niederlande, und Andreas Nauen, CEO Siemens Gamesa Renewable Energy, diskutierten über die Möglichkeiten für Europa und die Bedeutung der Zusammenarbeit. „Wir haben bereits große Projekte wie das NorthH2 initiiert", erklärte Marjan van Loon. Das reiche aber noch nicht. „Über Landesgrenzen hinweg zu kooperieren ist deshalb unabdingbar – auch Energiesysteme machen nicht an der Grenze halt", so van Loon. Andreas Nauen fügte hinzu, dass durch die hohe Nachfrage und die Produktion von Wasserstoff viele Arbeitsplätze entstünden.

Keynote-Sprecher für das Königspaar

Nach den Podiumsdiskussionen traf das Königspaar auf dem Symposium ein und wurde von Peter Adrian, Präsident des DIHK, begrüßt. Danach thematisierten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und die niederländische Staatssekretärin für Wirtschaft und Klima, Mona Keijzer, das Thema Wasserstoff und die Möglichkeiten der binationalen Zusammenarbeit in ihren Keynotes. Außerdem konnte das Königspaar, wie auch die anderen Teilnehmer, die neuesten Wasserstoffprojekte durch eine Virtual-Reality-Brille bewundern. BDI-Präsident Prof. Dr. Siegried Russwurm schloss die Veranstaltung.

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