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Zwischen Gründlichkeit und Tempo: Was die Niederlande und Deutschland voneinander lernen

Wie Deutsche und Niederländer in der Hightech-Halbleiterindustrie zusammenarbeiten: Rogier Verberk arbeitete als leitender Manager an der EUV-Lithografie bei ASML und Carl Zeiss und berichtet von seinen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit deutsch-niederländischen Teams. Er erkennt die Unterschiede – aber auch, wie sich beide Länder ergänzen. Und genau das ist entscheidend, um weltweit eine führende Position einnehmen zu können.

TNO Hightech Halbleiterindustrie

Gastkommentar von Rogier Verberk

 

Als ich vor einigen Jahren Projektleiter einer Kooperation zwischen ASML, Carl Zeiss und TNO war, fiel mir eines besonders auf. Wir arbeiteten gemeinsam an der EUV-Technologie, und ASML wollte die größten Risiken schnell und präzise angehen: testen, lösen, vorantreiben. Carl Zeiss hingegen bevorzugte es, zunächst ruhig und systematisch Wissen aufzubauen. Damit Entscheidungen gut fundiert waren. Zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen – und doch steckte in beiden viel Wert.

 

Oft gelang es, einen Mittelweg zu finden. Einen Ansatz, der sowohl Geschwindigkeit als auch Tiefgang bot. Und das funktionierte. Es war eine eindrucksvolle Lektion darin, wie sich unterschiedliche Arbeitskulturen gegenseitig ergänzen können.

 

Jahre später errichteten wir bei TNO eine große Forschungsanlage, um Materialien unter extremen Bedingungen zu testen. Bei der feierlichen Eröffnung war der Vorstandsvorsitzende von Carl Zeiss unser Keynote-Speaker. Er äußerte seine Bewunderung: Wie sei es möglich gewesen, in nur zwei Jahren eine derart komplexe Anlage zu entwerfen und zu bauen? Ein Jahr später stellte sich heraus, dass die Anlage noch nicht ganz ohne Anfangsprobleme war. Vielleicht hätten wir doch noch ein wenig deutsche Gründlichkeit gebraucht.

 

Noch jüngst war ich an der Ausarbeitung des nationalen Plans für die Quantentechnologie in den Niederlanden beteiligt. Wir waren früh dran, insbesondere im Vergleich zu Deutschland. Dort dauerte der Prozess unter anderem aufgrund der Komplexität von Bundesländern und Ministerien etwas länger. Doch als Deutschland schließlich mit einem Plan herauskam, war dieser sofort mit einem soliden Budget hinterlegt und plötzlich kam viel Schwung in die Sache.

 

Diese Beispiele scheinen die Klischees zu bestätigen: Die Niederlande sind schnell, flexibel und innovativ. Deutschland ist gründlich, verlässlich und präzise. Doch ich glaube, es geht um mehr als das. Die Niederlande können für Deutschland ein Vorreiter sein. Wir steigen früher auf neue Technologien und Märkte um. Zugleich lernen wir von unseren deutschen Kolleginnen und Kollegen, wie wichtig Qualität und Detailgenauigkeit sind.

 

Das zeigt sich auch in der Zusammenarbeit zwischen ASML und Carl Zeiss. Der eine liefert höchste Qualität für die kritischsten Teile der Maschine. Der andere versteht wie kein Zweiter, wie entscheidend die Time-to-Market ist. Gemeinsam schaffen sie etwas, das keiner von beiden allein erreichen könnte.

 

Ich schätze mich glücklich, mit solchen Kunden arbeiten zu dürfen. Während wir sie bestmöglich mit wertvollem Wissen und Prototypen versorgen, lernen wir selbst auch enorm viel: über Technologie, über Zusammenarbeit und über die unterschiedlichen Dimensionen der Produktentwicklung.

 

Die Niederlande und Deutschland übernehmen eine zentrale Rolle innerhalb Europas als treibende Kräfte hinter technologischer Innovation und industrieller Entwicklung. Durch ihre komplementären Stärken, Schnelligkeit und Flexibilität auf der einen Seite, Gründlichkeit und Skalierbarkeit auf der anderen, können beide Länder gemeinsam die europäische Wettbewerbsfähigkeit stärken.

 

Eine intensive Zusammenarbeit in strategischen Bereichen wie Quantentechnologie, künstlicher Intelligenz und nachhaltiger Produktion ist zudem notwendig, um weltweit eine führende Position zu behaupten. Gemeinsam zeigen die Niederlande und Deutschland, dass Vielfalt in den Herangehensweisen nicht trennt, sondern vielmehr die Kraft ist, mit der Europa vorankommt.

Rogier Verberk DNHK

Rogier Verberk ist Direktor für Semicon & Quantum bei TNO und verantwortlich für strategische Kooperationen, etwa zwischen ASML und Carl Zeiss im Bereich der EUV-Lithografie. Er setzt sich für grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein, um technologische Innovation zu beschleunigen und die europäische Position in der globalen Halbleiterindustrie zu stärken.

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