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Grenzenlos vernetzt: Warum Zusammenarbeit der Schlüssel zu einem zukunftsfähigen Energiesystem ist

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Die Energiewende ist keine nationale Aufgabe. Sie ist der Definition nach europäisch. Elektronen machen nicht an der Grenze Halt, und unsere Herausforderungen ebenso wenig. Manon van Beek, CEO des Stromnetzbetreibers TenneT, erläutert in ihrem Gastkommentar die Relevanz einer engen deutsch-niederländischen Zusammenarbeit im Energiesektor.

Manon van Beek Gastkommentar Tennet

In der aktuellen geopolitischen Realität geht es um mehr. Energie ist nicht länger nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein strategisches Instrument. Die Abhängigkeit von Energieimporten und internationale Spannungen machen eines deutlich: Energiesicherheit und Energieunabhängigkeit sind keine Selbstverständlichkeit mehr.

 

Wer heute auf das niederländische und das deutsche Stromnetz blickt, sieht zwei eng verflochtene Netze, die gemeinsam das Rückgrat der nordwesteuropäischen Energieversorgung bilden: ein Netz, zwei Länder, eine Zukunft. Genau deshalb ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit und eine Chance.

 

Eine grenzenlose Vernetzung durch Verbindungsleitungen ist dabei der Schlüssel. Derzeit gibt es vier solcher Verbindungsleitungen: Meeden-Diele, Hengelo-Gronau, Maasbracht-Niederrhein und Doetinchem-Wesel. Durch die weitere Vernetzung unserer Stromnetze nutzen wir erneuerbare Energien effizienter, gleichen Schwankungen bei Angebot und Nachfrage besser aus und stärken unsere Versorgungssicherheit. Gleichzeitig verringern wir unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus instabilen Regionen.

 

Wer schneller handeln will, muss Entscheidungen treffen. Indem wir Projekte von nationaler und europäischer Bedeutung auch tatsächlich als solche behandeln, können wir Entscheidungsprozesse priorisieren und Verfahren parallel statt nacheinander organisieren. Gerade in einer Welt, in der Abhängigkeiten schnell sichtbar werden, können wir uns diese Verzögerung nicht leisten.

 

Die Nordsee entwickelt sich rasant zu einem grünen Energieknotenpunkt, an dem großflächige Windparks Strom erzeugen, der über die Niederlande und Deutschland seinen Weg zu Millionen von Haushalten und Unternehmen findet. Gerade diese gemeinsame Infrastruktur macht Europa widerstandsfähiger in einer Welt, in der Energie immer häufiger als geopolitisches Druckmittel eingesetzt wird. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit macht unser Energiesystem nicht nur nachhaltiger, sondern auch robuster, erschwinglicher und strategisch stärker.

 

Vor diesem Hintergrund ist die jüngste Vereinbarung, wonach der deutsche Staat über die KfW eine Minderheitsbeteiligung von 25,1 % an TenneT Deutschland übernimmt, ein wichtiger Schritt. Diese Investition stärkt die Kapitalbasis strukturell und ermöglicht eine Beschleunigung der notwendigen Ausbauten des deutschen Hochspannungsnetzes. Gleichzeitig bleibt TenneT Holding als Teilhaber und Partner eng eingebunden.

 

Das ist entscheidend. Ein starkes deutsches Netz ist nicht nur im deutschen Interesse – es ist eine Grundvoraussetzung für ein gut funktionierendes europäisches Energiesystem und damit für unsere gemeinsame Energiesicherheit.

 

Gleichzeitig stehen wir vor einer beispiellosen Ausbaufordung. Allein in den Niederlanden investieren wir in den kommenden zehn Jahren dutzende Milliarden Euro in das Stromnetz. Doch Geld ist nicht der größte Engpass. Die Verfahren dauern zu lange. Projekte, die für die Energiewende und für unsere strategische Autonomie entscheidend sind, verzögern sich durch komplexe Genehmigungsverfahren und rechtliche Ungewissheit.

 

Wer schneller handeln will, muss Entscheidungen treffen. Indem wir Projekte von nationaler und europäischer Bedeutung auch tatsächlich als solche behandeln, können wir Entscheidungsprozesse priorisieren und Verfahren parallel statt nacheinander organisieren. Gerade in einer Welt, in der Abhängigkeiten schnell sichtbar werden, können wir uns diese Verzögerung nicht leisten. Aber Beschleunigung allein reicht nicht aus. Wir müssen auch intelligenter mit dem Stromnetz umgehen, das wir bereits haben.

 

Netzengpässe sind mittlerweile eines der größten Hindernisse für Unternehmen und Regionen. Neue Anschlüsse sind nicht immer möglich, und das bremst die wirtschaftliche Entwicklung – und damit auch unsere strategische Schlagkraft.

 

Kurzfristig liegt ein wesentlicher Teil der Lösung darin, flexibel zu sein. Indem wir Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen, nutzen wir vorhandene Kapazitäten effizienter. Denken Sie an Unternehmen, die ihren Stromverbrauch auf Zeiten mit hohem Ökostromanteil verlagern, an Batterien, die Spitzenlasten auffangen, und an die gemeinsame Nutzung von Anschlüssen. Auch das Engpassmanagement kann dazu beitragen, Kapazitäten zu schaffen, ohne direkt eine neue Infrastruktur errichten zu müssen.

 

In zwei Jahren wird das niederländische und deutsche Stromnetz sichtbar anders aussehen. Nicht weil alle Probleme gelöst sind, sondern weil wir konkrete Schritte unternommen haben. Die Energiewende ist ein Marathon, kein Sprint. Neue Verbindungsleitungen sind in Betrieb, Netzerweiterungen werden umgesetzt und Flexibilität spielt eine viel größere Rolle. Digitalisierung und ein besserer Datenaustausch tragen dazu bei, das Netz intelligenter und widerstandsfähiger zu nutzen.

 

Was mich dabei hoffnungsvoll stimmt, ist die wachsende Erkenntnis, dass Zusammenarbeit der Schlüssel ist. Gemeinsam erreichen wir, was niemand allein schaffen kann. Nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Behörden, Netzbetreibern, Unternehmen und Bürgern.

 

Wenn ich auf meine bisherige Zeit bei TenneT zurückblicke, bin ich am stolzesten auf die Schritte, die wir unternommen haben, um diese Zusammenarbeit zu stärken und die Energiewende konkret zu gestalten. Von groß angelegten Netzanschlüssen auf See bis hin zu einer intensiveren deutsch-niederländischen Zusammenarbeit: Wir legen das Fundament für ein Energiesystem, das nicht nur nachhaltig ist, sondern auch zunehmend widerstandsfähig gegenüber geopolitischen Erschütterungen.

 

Aber vielleicht noch wichtiger: Wir haben die Debatte verändert.

 

Bei der Energiewende geht es nicht nur um Technik und Infrastruktur, sondern auch um Entscheidungen, Prioritäten und Solidarität. Darum, wie wir Nutzen und Lasten fair verteilen. Und darum, wie wir unsere Energieversorgung wieder selbst in die Hand nehmen.

 

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, bestimmen, wie unser Energiesystem im Jahr 2040 aussehen und wie unabhängig und widerstandsfähig Europa in einer unsicheren Welt sein wird.

 

Lasst uns diese Entscheidungen gemeinsam treffen. Über Grenzen hinweg. Mit Blick auf die Zukunft. Und in der Überzeugung, dass Zusammenarbeit uns nicht nur voranbringt, sondern auch schützt.

 

Als ich 2018 bei TenneT anfing, lautete das Interview in DNHKs MARKT „Wir sind alle vernetzt“. Acht Jahre später kann ich das nur noch nachdrücklich bekräftigen: „Wir sind alle grenzenlos vernetzt“!

 

Denn nur mit starken Verbindungen – physisch und administrativ – sorgen wir dafür, dass Europa energieversorgungssicher, unabhängig und widerstandsfähig bleibt.

 

 

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