Logo der Deutsch-Niederländische Handelskammer

Vom Regalauffüller zum CEO

  • News

Der niederländische Discounter Action wuchs in den vergangenen Jahren auch in Deutschland rasant. Hinter der Entwicklung der Kette steht eine Frau, die eine bemerkenswerte Karriere hingelegt hat: Hajir Hajji räumte einst in den Läden die Regale ein. Heute ist die 45-Jährige CEO eines Konzerns, der mehr als 3000 Filialen in 14 europäischen Ländern betreibt.

Hajir Hajji Geschäftsführerin Discounter Action

Eines der Erfolgsgeheimnisse von Action beruht auf einer Formel, die in allen Ländern gleich ist: Der Discounter betreibt in allen Ländern weitgehend identische Filialen. Jede Filiale ist etwa 800 bis 1.000 Quadratmeter groß. Das Sortiment ist zu 95 Prozent identisch, von Produkten des täglichen Bedarfs wie Reinigungsmitteln und Kosmetik bis hin zu Dekoration und Haushaltswaren. 

 

Im Eingangsbereich liegen die neuesten Angebote aus, in der Nähe der Kassen befinden sich Snacks und Getränke. Die Beschaffung erfolgt zentral und in großen Volumen, was eine effiziente Produktion, Logistik und gute Einkaufsbedingungen ermöglicht. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis von Action sind schließlich die niedrigen Preise – „für Produkte von guter Qualität und zunehmend nachhaltiger“, wie Action betont.

Social Media statt klassischer Werbung

„Wir halten die Dinge gerne einfach“, sagt Hajir Hajji. Bevor sie 2022 zur CEO aufstieg, war sie im Konzern für Beschaffung und Marketing verantwortlich. Das blau-weiße Design des Discounters ist schlicht und sieht in Deutschland genauso aus wie in den Niederlanden. Für klassische Werbung gibt der Konzern wenig Geld aus, dafür teilen Kunden in den sozialen Medien, was sie im Laden gefunden haben. „Es macht uns natürlich stolz, dass wir organisch wachsen und im Marketing weniger investieren müssen als andere Unternehmen“, sagt Heiko Großner, General Manager von Action Deutschland.  

Deutschland stellt die Köningsdisziplin im Discount dar.

 

~ Hajir Hajji, CEO Action

Vom Trödelladen zum internationalen Konzern

Das Konzept funktioniert länderübergreifend. Als Hajji 1997 bei Action anfing, hatte die Kette gerade einmal zwölf Läden. Das Unternehmen wurde 1993 von Gerard Deen und Rob Wagemaker in Enkhuizen gegründet, die beiden hatten ihren Trödelladen umgebaut und ihm den international anmutenden Namen Action verpasst. 

 

Der Nettoumsatz wuchs stetig: Im Jahr 2024 verzeichnete der Konzern einen Neunmonats-Nettoumsatz von 11,2 Milliarden Euro, ein Plus von 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Inzwischen betreibt Action allein in Deutschland 649 Filialen. Kein Wunder, dass der Discounter einen Mitarbeiter in Düsseldorf in Vollzeit als Head of Expansion beschäftigt. Hajji selbst sitzt als CEO in einem internen Komitee, das über jede einzelne neue Filiale entscheidet.

Erfolg in Deutschland ist nicht selbstverständlich

Eine Sache sei aber doch besonders in Deutschland, sagt die Geschäftsführerin im Interview mit der Lebensmittel Zeitung: Der deutsche Markt sei sehr kompetitiv. „Deutschland stellt die Königsdisziplin im Handel dar – vor allem im Discount.“ Darum sehe sie es als großes Kompliment an, dass die Kette einen solchen Erfolg hat. Schließlich sind Discounter hier besonders oft vertreten und haben eine lange Tradition. Nach Einschätzung von Hajji haben Wettbewerber wie Lidl und Aldi dazu beigetragen, dass sich das Image der Branche verbessert hat: „Die Läden sind schöner geworden. Die Menschen wissen zudem, dass sie dort qualitativ gute Produkte zu attraktiven Preisen bekommen.“

 

Die Entwicklung will Hajji weiter vorantreiben. Die Zahl der Filialen in Deutschland lasse sich „sicherlich verdoppeln“, sagte sie Mitte 2025 selbstbewusst gegenüber der Presse – das war noch bevor der 600. deutsche Store öffnete. Und auch für 2026 sieht sie großes Potenzial für weiteres Wachstum.

 

Text: Kathi Preppner

Foto: Action

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen
  • Stau DE/NL Zu sehen ist eine Straße, auf der sich viele Autos stauen
    Neuigkeiten

    Deutschland vs. Niederlande: Wo fahren Autofahrer wirklich schneller?

    Freie Fahrt, kein Tempolimit – Deutschland gilt als das Land der schnellen Autofahrer. In den Niederlanden dagegen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen. Doch was ist wirklich dran am Image der beiden Länder? Ein Faktencheck.

  • Villari installatie
    Neuigkeiten

    Brücken überwachen, Grenzen verschieben: Wie Villari den Sprung nach Deutschland schaffte

    Aus der Ferne den Zustand von Brücken, Kränen und Windkraftanlagen messen, ohne dass jemand mit Helm und Messgeräten losziehen muss. Das ist es, was das niederländische Start-up Villari macht. Was als Doktorandenprojekt an der TU Delft begann, entwickelte sich zu einem international tätigen Unternehmen, das mit Sensoren Rissbildungen in kritischen Stahlkonstruktionen kontinuierlich überwachen kann.

  • Master the German Market-Event im AFAS-Theater in Leusden
    Neuigkeiten

    Corendon, Basic-Fit und Dopper: Die Learnings vom Markteintritt in Deutschland

    Beim Marketing-Event „Master the German Market“ im AFAS Theater in Leusden teilten Marketing- und Expansionsexperten von niederländischen Unternehmen wie Corendon, Basic-Fit und Dopper ihre Expansionserfahrungen – mit klaren Learnings, konkreten Tipps und auch ehrlichen Irrtümern. Und zeigten, worauf es beim Markteintritt in Deutschland wirklich ankommt.

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub