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Vorsitzende von Energie-Nederland über Energiesicherheit

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Eine zuverlässige, bezahlbare und zugängliche Energieversorgung ist laut Femke Brenninkmeijer, Vorsitzende von Energie-Nederland und des Economic Board Zuid-Holland sowie Vorstandsmitglied der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, eine Voraussetzung für das Wirtschaftswachstum in den Niederlanden und Deutschland. Sie plädiert daher für eine engere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. „Unsere Volkswirtschaften sind stark miteinander verflochten. Das muss dann auch für unsere Energiepolitik gelten”, so Brenninkmeijer.

Femke Brenninkmeijer Voorzitter Energie Nederland. Zu sehen ist eine lächelnde, blonde Frau im Blazer mit den Armen verschränkt

Für Brenninkmeijer ist diese Dringlichkeit größer denn je. In der Vergangenheit haben wir ganze Industriezweige neben Energiequellen aufgebaut. Da wir uns derzeit mitten im Übergang zu nachhaltiger Energie befinden, gleichzeitig unsere Industrie elektrifizieren und Europa zudem strategisch unabhängiger werden will, stellt dies enorme Anforderungen an das Energiesystem. Das Stromnetz, der Energietransport und die damit verbundenen Investitionen stehen unter Druck. Die Energiewende ist nicht nur ein technologischer Wandel, sondern eine groß angelegte Neugestaltung der Infrastruktur, der Märkte und der Zusammenarbeit.

 

Gerade in dieser Zusammenarbeit sieht Brenninkmeijer großes Potenzial. Als Beispiel nennt sie den Delta-Rhein-Korridor: eine grenzüberschreitende Energie- und Rohstoffroute zwischen den niederländischen Häfen, dem Rheinmündungsgebiet, dem Ruhrgebiet und Süddeutschland. Dieser Korridor wird entwickelt, um nachhaltige Moleküle – wie grünen Wasserstoff und CO₂ zur Speicherung – sicher und in großem Umfang transportieren zu können.

Energie-Nederland als Wissensinstitut und Vermittler

 Brenninkmeijer sieht Energie-Nederland ausdrücklich sowohl als Wissensinstitut als auch als Vermittler: eine Organisation, die mitdenkt und mitarbeitet, um Lösungen für die Herausforderungen im Energiebereich zu finden. "Wir wollen zusammenarbeiten", sagt sie, "und zwar nicht nur mit den Energieversorgern und -erzeugern, die Mitglieder sind, sondern auch mit Netzbetreibern, der ACM, der Industrie, der Regierung und Wissensinstitutionen – und mit Verbraucherorganisationen."

 

Diese Zusammenarbeit ist ihrer Meinung nach kein "Nice-to-have", sondern eine Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung der Energieversorgung. „Es geht um Zusammenarbeit auf Grundlage eines gemeinsamen Endziels, bei der wir das Wissen, die Tatkraft und die Innovationen einbringen, die die Glieder der Energiekette benötigen”, betont sie. „Nutzen Sie das Wissen und die Fähigkeiten der anderen, sprechen Sie miteinander. Nur so können wir Energie verfügbar, bezahlbar und zuverlässig halten und die Energiewende in die Praxis umsetzen.

Versorgungssicherheit: weniger selbstverständlich als wir denken

 Die Praxis ist jedoch schwerfällig. Die Nachfrage nach Strom wächst, die Produktion von Solar- und Windenergie nimmt zu, das Stromnetz ist vielerorts ausgelastet und geopolitische Spannungen machen deutlich, wie anfällig die Energieinfrastruktur sein kann. Genau aus diesem Grund legt die ehemalige Juristin Brenninkmeijer besonderen Wert auf eine sichere Versorgung.

 

 „Es wird weniger selbstverständlich, dass immer zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Strom zur Verfügung steht”, sagt sie. Wir brauchen regelbare Kapazitäten, Speicher, grenzüberschreitende Netzverbindungen und eine intelligente Nachfragesteuerung. Und vor allem: eine langfristige, stabile Politik, die Investitionen ermöglicht. Warten erhöht das Risiko, dass etwas schiefgeht.”

 

 Versorgungssicherheit ist somit kein technisches Detail, sondern ein strategisches Thema: Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen weiter investieren, ob Haushalte weiterhin bezahlbar wohnen können und ob die Energiewende gesellschaftliche Akzeptanz findet. Wir sehen, dass unsere Nachbarländer bereits konkrete Schritte in diese Richtung unternommen haben oder unternehmen. So hat Deutschland beispielsweise kürzlich angekündigt, dass in Kürze Auktionen für regulierbare Kapazitäten organisiert werden sollen. Es ist wichtig, dass auch die Niederlande hier Maßnahmen ergreifen.

Energiesicherheit ist gesellschaftliche Sicherheit, und in Bezug auf die Widerstandsfähigkeit der kritischen Infrastruktur müssen die Niederlande besser mit Deutschland zusammenarbeiten.

Resilienz: Energiesicherheit ist gesellschaftliche Sicherheit

Neben der Versorgungssicherheit nennt das Vorstandsmitglied der DNHK die Resilienz als ein Thema, bei dem die Niederlande schnell handeln müssen – und bei dem Deutschland ein logischer Partner ist. „Energiesicherheit ist gesellschaftliche Sicherheit”, sagt sie. „Eine widerstandsfähige Energieversorgung bildet die Grundlage unserer Wirtschaft, unserer öffentlichen Dienste und des täglichen Lebens von Millionen von Haushalten und Unternehmen, sowohl in Friedenszeiten als auch in Krisenzeiten.”

 

Die geopolitische Realität hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Der Krieg in der Ukraine und die Spannungen auf den globalen Energiemärkten haben gezeigt, wie angreifbar Europa ist, wenn die Energieinfrastruktur oder -versorgung unter Druck gerät. Genau deshalb müssen wir weiterhin in die physische, digitale und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Energiesystems investieren.

 

 Für Unternehmen im Energiesektor bedeutet dies, dass die Messlatte höher liegt als je zuvor. Die Akteure müssen auf hybride Bedrohungen staatlicher Akteure, Cyberangriffe, physische Sabotage und Störungen in internationalen Lieferketten vorbereitet sein – sowohl an Land als auch auf See. Dies erfordert nicht nur Maßnahmen innerhalb einzelner Organisationen, sondern vor allem eine enge und strukturelle Zusammenarbeit mit der Regierung.

 

„Ich sehe in Deutschland eine reifere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Marktteilnehmern“, sagt Brenninkmeijer. „Davon können wir lernen. Ihr Appell ist konkret: intensiverer Wissensaustausch, gemeinsame Übungsprogramme und einheitliche Standards für Cyber- und physische Sicherheit. „In Sachen Resilienz muss die Niederlande wirklich besser mit Deutschland  zusammenarbeiten“, betont sie. „Das geht nicht ohne Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Behörden und Wissensinstitutionen. Die Zeit der unverbindlichen Zusammenarbeit ist vorbei.“

Ein schneller und zugleich überlegter Wandel

Die Energiewende erfordert nun sowohl Schnelligkeit als auch Realismus. „Es handelt sich nicht um einen Schalter, den man umlegen kann, sondern um einen Umbau unseres gesamten Energiesystems“, sagt Brenninkmeijer. „Manchmal trifft man Entscheidungen, die nicht hundertprozentig perfekt sind, aber zum Endergebnis beitragen: ein nachhaltiges, bezahlbares und zuverlässiges System.“

 

Das bedeutet: Weiterbau von Offshore-Windparks, Beschleunigung von Speicherung und Flexibilität sowie Entwicklung von grünem Wasserstoff im Umfeld großer Industriezentren. „Unsere Lage an der Nordsee und die starke industrielle Basis in beiden Ländern sind ein Vorteil. Nutzen wir ihn voll aus.”

Industrie unter Druck: Die Bedeutung fairer Spielregeln

 Für die Industrie ist die Kombination aus Versorgungssicherheit, Widerstandsfähigkeit und Wandel keine abstrakte Größe, sondern eine alltägliche Herausforderung. Steigende Netzkosten, Netzüberlastung und Unsicherheit hinsichtlich der Vorschriften können Investitionen bremsen und Unternehmen dazu veranlassen, ihren Standort zu verlagern. „Wenn die Industrie abwandert, verlieren wir Arbeitsplätze, Wissen und Wohlstand. Das trifft jeden Niederländer direkt in seinem Geldbeutel“, warnt Brenninkmeijer.

 

 Ihr Vorschlag: unnötige Kosten im System senken, Netztarife und Investitionsbedingungen mit den Nachbarländern in Einklang bringen und steuerliche und regulatorische Stabilität bieten, die nachhaltige Investitionen unterstützt. „Es geht um faire Wettbewerbsbedingungen. Investieren in den Niederlanden – und in Deutschland – muss attraktiv und berechenbar sein.“

Gemeinsam in zuverlässige Energie für morgen investieren

Die Niederlande und Deutschland: Zusammenarbeit als Notwendigkeit, nicht als Luxus

Die Brücke nach Deutschland ist dabei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Technisch, wirtschaftlich und geopolitisch sind die Interessen identisch. Interkonnektionen, gemeinsame Wasserstoffkorridore, die Anpassung von Marktvorschriften und die Steuerung der Nachfrage nachhaltiger Produkte (wie grünem Stahl und grüner Chemie) sorgen für Größe und Schlagkraft.

 

 „Durch die Verpflichtung zu einem Mindestanteil an nachhaltigen Inhaltsstoffen in Endprodukten stimuliert man die Nachfrage, macht Projekte rentabel und erhöht die strategische Autonomie“, sagt Brenninkmeijer. „Damit beschleunigen wir den Wandel auf beiden Seiten der Grenze.“

Mut und Beständigkeit

 Ihre Verwaltungserfahrung im maritimen Sektor und bei wirtschaftlichen Kooperationsverbänden prägt Brenninkmeijers Ansatz: praktisch, verbindend und ergebnisorientiert. „Manchmal muss man schon mit 70 Prozent der Informationen eine Entscheidung treffen“, sagt sie. „Auf Perfektion zu warten, ist oft das größte Risiko. Mut und Konsequenz bringen Projekte wirklich voran.“

 

 Ihre Kernbotschaft bleibt konsistent: Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit, Widerstandsfähigkeit und Übergang sind keine separaten Themen, sondern eine zusammenhängende Aufgabe. „Das große Ganze darf nicht aus dem Blickfeld geraten“, schließt Brenninkmeijer. „Wir brauchen ein zuverlässiges und zukunftssicheres Energiesystem, sowohl für Haushalte als auch für die Industrie. Das gelingt nur, wenn Regierung und Markt sich einigen, wenn Netzbetreiber und Unternehmen zusammenarbeiten und wenn die Niederlande und Deutschland noch besser zusammenfinden. Jetzt ist es Zeit für Mut und Tatkraft – denn ohne Energie gibt es keine florierende Wirtschaft.“

 

Text: René de Monchy

Foto: Energie Nederland

 

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