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Innovation im Operationssaal: Wie ein Exoskelett Chirurgen bei der Arbeit entlastet

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Stundenlange Operationen, langes Stehen und kräftezerrende Millimeterarbeit: Chirurginnen und Chirurgen sehen sich oft einer enormen Belastung ausgesetzt, was auch Auswirkungen auf die Patienten haben kann. Das Tübinger Start-Up „Hellstern Medical“ will mit Hilfe eines robotischen Cockpits für Entlastung im OP-Saal sorgen – und auch auf dem niederländischen Markt Fuß fassen. Das Unternehmen ist Finalist des Deutsch-Niederländischen Innovationspreises 2024.

Auf dem Bild sind mehrere Chirurgen zu sehen, die während einer Operation auf einen Bildschirm gucken.

In der Welt der Chirurgie spielen Präzision und Ausdauer eine entscheidende Rolle. Doch hinter den Erfolgen im Operationssaal steckt oft eine immense körperliche Belastung für MedizinerInnen. Monotone Bewegungsabläufe und das Arbeiten in unbequemen Haltungen führen häufig zu Muskel- und Skeletterkrankungen. Etwa drei Viertel aller Chirurgen leiden unter diesen Beschwerden. Das Ergebnis: chronische Schmerzen und eingeschränkte Leistungsfähigkeit, die letztlich auch die Qualität der Eingriffe beeinträchtigen können.   

  

OP-Roboter „Noac“ greift Chirurgen unter die Arme   

Das 2019 gegründete Start-up „Hellstern Medical“ will den körperlichen Belastungen von Operateuren entgegenwirken und direkte Abhilfe in der medizinischen Praxis schaffen. Mit dem Ziel „einen neuen Workflow im OP“ zu ermöglichen, hat das Gründungsteam um Sabrina Hellstern und Claudia Sodha ein Exoskelett entwickelt, das Chirurgen im Operationsalltag unter die Arme greifen soll – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Exoskelett ist so konzipiert, dass es die Arme und Hände der Chirurgen unterstützt und deren Bewegungen assistiert. Mittels eingebauter Sensoren und Fußpedalen sollen unter anderem Ermüdungserscheinungen vorgebeugt werden. Statt die vollständige Kontrolle abzugeben, wie bei herkömmlichen OP-Robotern, bleibt der Chirurg in direktem Kontakt mit dem Patienten und den Instrumenten – das System agiert unterstützend und entlastend. Während klassische OP-Roboter nur bei wenigen Operationen eingesetzt werden können, verspricht der sogenannte „noac“ 95 Prozent aller chirurgischen Arbeiten abzudecken: Ein neuer Meilenstein in der Medizintechnik.  

  

Vom Prototypen zur ersten Auslieferung  

Vor rund fünf Jahren steckte das Projekt des assistierenden Roboters noch in den Kinderschuhen: 2019 entwickelte das sechsköpfige Team, bestehend aus Ärzten und Ingenieuren, in nur 15 Monaten den ersten Prototyp des Exoskeletts. Mittlerweile ist „noac“, was im Deutschen „kein Schmerz“ bedeutet, weltweit patentiert und als medizinisches Produkt zertifiziert. Seitdem geht es steil bergauf: Neben der Teilnahme an dem deutschen TV-Format „Die Höhle der Löwen“ erfolgte Ende 2023 die erste Auslieferung des RoboCockpits an die Universitätsfrauenklinik Tübingen.  

  

Auf dem Weg zur Internationalisierung  

Nach dem erfolgreichen Start in deutschen Kliniken, richtet Hellstern Medical den Blick nun Richtung Niederlande. Bei den europäischen Nachbarland wird bereits stärker auf neue Technologien wie OP-Roboter gesetzt, was den Markt für das junge Start-up äußerst attraktiv macht: „Die niederländische Regierung investiert zielgerichtet in digitale und innovative Verfahren in der Patientenbehandlungen“, so Hellstein.  

 

Berührungspunkte zu den Niederlanden habe es allerdings schon früher gegeben: Demnach traf das Unternehmen bei einer Unternehmerreise mit der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg vor vier Jahren auf den Repräsentanten der Provinz Noord-Brabant – der Grundstein für wertvolle Kooperationen. „Dieses Treffen führte zu einem intensiven Austausch und wertvollen Kontakten zur niederländischen Industrie”, erklärt Gründerin Sabrina Hellstern. 

 

Mit der traditionell großen Offenheit niederländischer Kliniken für moderne Technologien, einschließlich robotergestützter Systeme, bietet der Markt für das Unternehmen vielversprechende Chancen. Hellstern Medical ist optimistisch, dass die Nachfrage nach den Lösungen des Unternehmens und die Bereitschaft zur Implementierung innovativer Technologien den Markteintritt unterstützen werden: „Diese Synergie zwischen dem niederländischen Markt und potenziellen Investoren könnte bedeutende Vorteile bieten. So könnten wir eine gemeinsame wirtschaftliche Erfolgsgeschichte schreiben, die mit unserer ersten internationale Reise in die Niederlande begann”, so Hellstern. 

 

Die Vision des Unternehmens bleibt klar: Das Exoskelett soll die chirurgische Praxis revolutionieren, die Arbeitsbedingungen der Chirurgen verbessern und gleichzeitig die Patientensicherheit erhöhen – weit über die Landesgrenzen hinaus.   

Text: Kim-Lara van der List

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