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AHK World Business Outlook: Niederländische Unternehmen fordern Bürokratieabbau und politische Stabilität

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Bürokratieabbau, politische Stabilität, Fachkräftemangel, Investitionen in Innovationen und Energieversorgung sind die fünf drängendsten Aufgaben für die zukünftige niederländische Regierung. Das ist das Ergebnis des AHK World Business Outlook, für den Mitgliedsunternehmen der DNHK befragt wurden. Die Umfrage in Zusammenarbeit mit der DIHK und den 93 deutschen Auslandshandelskammern zeichnet ein Bild der Stimmung und Erwartung von Unternehmen weltweit.

AHK Grafik Relevanz von Themen

Nach dem Rückschlag durch die US-Zollpolitik im Frühjahr hellt sich die Stimmung in vielen Weltregionen spürbar auf. Während die Konjunkturerwartungen der Unternehmen in Deutschland verhalten bleiben, steigt die Zuversicht der Handelspartner im Ausland sowie der deutschen Tochterunternehmen an ihren Auslandsstandorten deutlich. So auch in den Niederlanden. 

 

Unternehmen sehen weiterhin Potenzial in den Niederlanden – fordern jedoch mehr Planungssicherheit und weniger Bürokratie

Die aktuelle Ausgabe des AHK World Business Outlook zeigt: Die Niederlande bleiben ein attraktiver Standort für deutsche und international tätige Unternehmen. Das wirtschaftliche Klima wird von den befragten Firmen grundsätzlich als stabil bewertet.  59 Prozent der befragten Unternehmen bezeichneten die aktuelle wirtschaftliche Lage als gut, zufrieden waren 33 Prozent. Auch der Wirtschaftsausblick stimmt optimistisch: 37 Prozent der Unternehmen schauen positiv in die Zukunft und erwarten eine Verbesserung, 46 Prozent gehen immerhin davon aus, dass die Wirtschaft stabil bleibt. In punkto Konjunktur erwarten 62 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Lage in den Niederlanden konstant bleibt, 17 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 21 Prozent mit einer Verschlechterung der Konjunktur. Das zeigt sich auch in der Personalplanung. 58 Prozent geben an, die Anzahl der Beschäftigten konstant zu halten, 17 Prozent planen den Personalausbau, 25 Prozent mit Personalabbau. 

 

Investitionsbereitschaft bleibt trotz Unsicherheiten bestehen

Die Investitionen konzentrieren sich neben Personal vor allem auf Digitalisierung (65%), Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (35%) und Maschinen/Kapazitätserweiterung (30%). Vor allem das Fehlen einer langfristigen Planungssicherheit durch die volatilen Regierungen, die hohen Energiepreise und Engpässe in der Energie- und Netzinfrastruktur formen aus Sicht der Unternehmen ein Risiko und hemmen die Investitionsbereitschaft ebenso wie die Sorge vor einer nachlassenden Nachfrage. 

Ein weiterer hemmender Faktor ist der verschärfte internationale Wettbewerb: Besonders chinesische Wettbewerber, die aus osteuropäischen Standorten in den niederländischen Markt drängen, setzen lokale Unternehmen zusätzlich unter Druck. Und auch der zunehmende Protektionismus, die neue US-Zollpolitik sowie eine insgesamt wachsende wirtschaftliche Volatilität werden als Risiken wahrgenommen.

 

Unternehmen formulieren klare Erwartungen an die neue Regierung

Mit Blick auf die derzeit laufende Regierungsbildung formulieren die befragten Unternehmen deutliche Forderungen. An erster Stelle stehen Bürokratieabbau und politische Stabilität. Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Kernproblem: Unternehmen erwarten Reformen im Bildungsbereich sowie Maßnahmen zur Arbeitsmarktöffnung und Qualifizierung.

Darüber hinaus sehen die Unternehmen dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau der Energieversorgung und bei der Förderung von Innovationen. Auch mehr Planungssicherheit – insbesondere im Bereich der Umwelt- und Infrastrukturpolitik – wird immer wieder als entscheidend genannt, um die Niederlande als Standort attraktiv zu halten.

Niederlande im weltweiten Vergleich

Wie so oft gehören die Niederlande im weltweiten Vergleich zu den Optimisten und ist die Stimmung deutlich besser als in anderen EU-Ländern. Weltweit erwarten laut Business Outlook 44 Prozent der Unternehmen bessere Geschäfte – in Deutschland sind es hingegen nur 15 Prozent. Der Aufschwung bleibt fragil, doch die Orientierung ist klar: Wachstum findet jenseits der deutschen Grenze statt. Das spiegelt sich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen wider. Im Ausland weltweit wollen 29 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen erhöhen, während lediglich 16 Prozent Kürzungen planen. Beim Personal beabsichtigen 33 Prozent aufzustocken, während 17 Prozent mit einem Abbau rechnen. 

Die weltweiten Umfrageergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen auf veränderte politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren und ihre Investitionsentscheidungen folglich dorthin verlagern, wo Nachfrage wächst und künftig auch dort, wo Marktzugang an lokale Wertschöpfung geknüpft wird. Besonders deutlich wird dies in China: Hier bewerten nur 18 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, dennoch wollen über ein Viertel (26 Prozent) ihre Investitionen ausweiten – deutlich mehr als noch im Frühjahr. Dies geschieht zum einen, weil der Marktzugang an lokale Produktion gebunden wird, aber auch, um die beträchtliche Innovationskraft und Rohstoffzugänge Chinas für die Positionierung des Unternehmens im globalen Wettbewerb zu nutzen.

 

US-Handelspolitik bleibt spürbar

Gleichzeitig nimmt die Zahl der Risiken im internationalen Geschäft weiter zu. Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) nennt wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko, 47 Prozent beklagen eine schwache Nachfrage. Hinzu kommen steigende Wechselkursrisiken (31 Prozent) und neue Handelsbarrieren (25 Prozent). Und auch die US-Handelspolitik bleibt weltweit spürbar. Die anfängliche Verunsicherung der Wirtschaft über die erratischen und belastenden Maßnahmen aus Washington ist inzwischen einer Phase der Ernüchterung und strategischen Anpassung gewichen. 44 Prozent der befragten Unternehmen berichten an ihren ausländischen Standorten von negativen oder stark negativen Effekten – von Zöllen über Exportkontrollen bis hin zu Local-Content-Vorgaben.

 

Zwar hat sich die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen weltweit nach dem Zollschock im Frühjahr wieder erholt, doch ein Investitionsboom bleibt aus. Das betrifft vor allem die Investitionsplanungen ausländischer Unternehmen in den USA selbst. Dort liegen die Pläne weiter unter dem internationalen Durchschnitt und erheblich niedriger als vor einem Jahr: Während aktuell nur 24 Prozent zusätzliche Investitionen in den USA planen, waren es im Herbst 2024 noch 37 Prozent der Unternehmen.

 

Die schwache wirtschaftliche Dynamik in Deutschland wirkt sich direkt negativ auf die Exporterwartungen aus. Nach drei Jahren Rückgang rechnet die DIHK auch für 2025 mit einem Minus von einem Prozent. Erst 2026 wird wieder ein leichtes Plus von 0,5 Prozent erwartet. Deutschland profitiert damit nur eingeschränkt vom weltweiten Wachstum.

 

Text: Janine Damm / DIHK

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