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Der Superstreamer

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Bert Habets war bis Oktober 2025 Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1. Seine Mission: den Medienkonzern angesichts der sinkenden Bedeutung von linearem TV zukunftsfähig aufstellen. Seine Strategie: alles auf die Streaming-Plattform Joyn setzen. Dabei kamen ihm auch seine Erfahrungen aus den Niederlanden zugute.

Bert Habets Seven One

Wenn Habets den Start des Streamingdienstes Videoland in den Niederlanden mit dem deutschen Streaming-Angebot Joyn (ProSiebenSat.1) vergleicht, erkennt er grundlegende kulturelle Unterschiede: „In den Niederlanden kommt man mit einer kleinen Gruppe schnell von der Vision zur Umsetzung“, sagt er. Fehler gehören dabei zum Prozess: Fail often, fail cheap, fail fast – dieses Motto prägt die niederländische Arbeitskultur. Anders in Deutschland: Hier wird geplant, geprüft, überarbeitet – bis jedes Detail stimmt. Das Ergebnis ist präziser, aber der Weg dorthin bürokratischer. „Deutsche Unternehmen sind meisterhaft in der Prozessoptimierung. Sie könnten aber auch lernen, flexibler und experimentierfreudiger zu sein“, so Habets. Auch Menschen von neuen Ideen zu überzeugen, sei in Deutschland deutlich schwieriger: „Was Visionen angeht, sind die Deutschen grundsätzlich recht skeptisch – bevor sie einem glauben, muss man erst Beweise liefern, dass es auch funktioniert.“

 

Durch seine Erfahrungen als ehemaliger CEO von RTL Nederland und RTL Group hat der 54-Jährige nicht nur die Branche, sondern auch die unterschiedlichen Arbeitskulturen der beiden Länder kennengelernt. Dieses Wissen setzte er gezielt ein, um bei ProSiebenSat.1 eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Innovationen fördert.

 

Innovation braucht neben Raum zum Experimentieren auch klare Ziele: Joyn soll als kostenlose, werbefinanzierte Plattform mit exklusiven Inhalten und starker Verbindung zum linearen TV-Angebot zum führenden Superstreamer Deutschlands werden. Bereits im März 2025 erreichte Joyn mit 9,8 Millionen Zuschauerinnen einen neuen Höchststand. Die durchschnittliche Watchtime stieg um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit mehr als 70 Live-Sendern und 48.000 Programmstunden auf Abruf ist Joyn der größte kostenlose Streamingdienst in Deutschland.

 

Gleichzeitig behaupten sich auch die linearen Sender durch das gestärkte Programmangebot: ProSieben, SAT.1 und Kabel Eins verzeichnen mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent stabile Quoten bei der Kernzielgruppe der 14- bis 59-Jährigen. Der Schlüssel liegt für Habets in der intelligenten Verzahnung beider Welten: „Jedes TV-Format muss auch auf Joyn funktionieren. Wir wollen maximale Reichweite auf all unseren Plattformen.“ Ein Vorteil des digitalen Angebots ist für ihn die Möglichkeit, Zielgruppen präziser zu erreichen und Werbung dadurch gezielter und hochpreisiger zu vermarkten.

 

Die angespannte Wirtschaftslage in Deutschland führt jedoch dazu, dass Unternehmen ihre Marketingbudgets kürzen. Habets’ Optimismus und seine Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren, halfen ihm bei ProSiebenSat.1, auch in schwierigen Zeiten auf Kurs zu bleiben. 

 

Foto: PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE - Amelie Niederbuchner

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