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Nahost-Krieg trifft niederländische Wirtschaft

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Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat auch für niederländische Unternehmen erhebliche Folgen. Gesperrte Lufträume, unterbrochene Transportwege sowie die große Unsicherheit bremsen das Wirtschaftswachstum – mit spürbaren Unterschieden zwischen Regionen und Branchen.

Ölfässer stehen nebeneinander

Die Folgen des Nahostkonflikts für die Niederlande 

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten werden in den Niederlanden nahezu alle Sektoren treffen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Rabobank. Die niederländische Wirtschaft wuchs 2025 noch um 1,9%, für 2026 rechnet die Bank unter Berücksichtigung des Iran-Krieges nun mit einem Wachstum von 1,4 %. Allerdings könnte das Wachstum noch kleiner ausfallen. 

 

Die Bank hat drei Szenarien entwickelt, die vom schnellen Ende des Krieges in einigen Wochen bis zu einer langanhaltenden Eskalation reichen. Selbst im günstigsten Fall zeigt sich bereits ein dämpfender Effekt: Das Wachstum der Industrie könnte dann 1,6% erreichen und im Extremfall sogar auf lediglich 0,6% sinken, etwa falls die Ölraffinerien in Saudi-Arabien und Katar durch den Krieg jahrelang stillgelegt sind. 

Industrie, Transport, Bau und Großhandel

Nach Berechnungen der Bank wirkt sich der Krieg in den Niederlanden bereits branchenübergreifend aus. Besonders stark betroffen sind demnach Industrie, Transport, Bau und Großhandel – doch auch alle anderen Sektoren spüren die Folgen indirekt. Die Reisebranche leidet unter Verunsicherung der Verbraucher und gestörten internationalen Luftverkehrsdrehkreuzen wie Dubai und Katar, während die Gastronomie zusätzlich zu bestehenden Belastungen wie der erst kürzlich erhöhten Steuer auf Hotelübernachtungen mit steigenden Energiekosten konfrontiert ist. Im ungünstigsten Fall droht in diesem Sektor sogar ein leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung um -0,3%.

 

Der Transportsektor könnte im günstigsten Fall um 0,9% wachsen, im Worst Case-Szenario um 0,1% schrumpfen. Dieser Sektor spürt vor allem die hohen Brandstoffpreise.

 

Vor allem die Inflation, die in den Niederlanden ohnehin schon über dem EU-Schnitt lag, bereitet Sorge. Die höheren Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs könnten die Teuerungsrate – je nach Szenario – auf 2,6 bis 4,4 Prozent steigen lassen. Im Extremfall wären Benzinpreise von über drei Euro pro Liter sowie deutlich höhere Energiekosten für Haushalte die Folge. 

 

Neben der allgemeinen Unsicherheit und Angst vor der weiteren Eskalation des Krieges könnte so auch die Inflation das Konsumklima verschlechtern und zu einer schwächeren Nachfrage führen. Das wirkt sich auf den Handel aus, der bestenfalls 1,6% wachsen und im schlechtesten Fall nur um 0,8% zulegen könnte. Und die Inflation dürfte dann auch den Dienstleistungssektor treffen. 

 

Die niederländischen Unternehmen reagieren auf die steigenden Kosten und die Unsicherheit mit Zurückhaltung bei Investitionen und Ausgaben – ebenfalls ein zentraler Grund für eine stagnierende wirtschaftliche Entwicklung.

Der Energieverbrauch in den Niederlanden pro Region und Arbeitsplatz

Regionen und Branchen unterschiedlich unter Druck

Der Krieg im Nahen Osten, der Öl- und Gaspreise in die Höhe treibt, belastet alle niederländischen Sektoren und Regionen. Allerdings werden die verschiedenen Regionen der Niederlande laut der Untersuchung der Rabobank unterschiedlich hart getroffen. Während Metropolregionen wie Amsterdam und die Hightech-Region rund um Eindhoven weiterhin überdurchschnittlich wachsen, geraten energieintensive Regionen wie Ijmond, das abhängig von der Stahlindustrie ist, unter Druck. 

 

Auch Delfzijl und Zeeuws-Vlaanderen dürften den Krieg in Nahost deutlich zu spüren bekommen, da beide Regionen zu den energie-intensivsten der Niederlande zählen – mit fast fünfmal so hoher Intensität wie der Landesdurchschnitt. Weitere Regionen mit überdurchschnittlicher Energieintensität sind Groß-Rijnmond, das übrige Zeeland (Middelburg), Südost-Südholland (Dordrecht), West-Nordbrabant (Roosendaal), Süd-Limburg, Südost-Drenthe (Emmen) sowie Ost-Groningen.

 

Die am wenigsten energieintensiven Regionen der Niederlande sind Den Haag, Haarlem, Utrecht und der Großraum Amsterdam. In diesen Regionen ist der Dienstleistungssektor vergleichsweise stark – ein Bereich mit geringerer Energieintensität. Auch Brainport Eindhoven (Südost-Nordbrabant) gehört zu den weniger energieintensiven Regionen und profitiert daneben von der Ansässigkeit des Chipmaschinenherstellers ASML, aber auch Teile von Friesland und Drenthe sind weniger energieintensiv.

 

In der Untersuchung knüpft die Rabobank die benötigte Energie einer Region an die Schwere der Folgen, die der Krieg in Nahost auf die regionale Wirtschaft haben könnte. Je höher die Energieabhängigkeit einer Region, desto stärker sind die negativen wirtschaftlichen Effekte des Konflikts. Doch auch weniger energie-intensive Regionen wie Nord-Brabant könnten die heutige geopolitische Situation zu spüren bekommen, so die Rabobank. 

 

Trotz der Belastungen bleibt die niederländische Wirtschaft in allen Szenarien auf Wachstumskurs. Doch die Analyse zeigt: Die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen wird entscheidend sein, um die Folgen der geopolitischen Krise abzufedern.

 

 

Text: Janine Damm

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