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Niederlande trotzen dem globalen Abschwung – aber Risiken nehmen deutlich zu

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Während der AHK World Business Outlook 2026 weltweit ein ernüchterndes Bild zeichnet, zeigen sich Unternehmen in den Niederlanden vergleichsweise stabil. Doch steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen und strukturelle Herausforderungen setzen auch hier die Wirtschaft zunehmend unter Druck.

Bild vom Hafen Rotterdam

Die Ergebnisse des AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 

Der Krieg im Nahen Osten verschärft die globalen Unsicherheiten. Energiepreise steigen rasant, Lieferketten sind gestört, die Nachfrage bleibt unsicher.  Der World Business Outlook - die halbjährliche Umfrage der 93 Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) - zeichnet im Mai 2026 ein ernüchterndes Bild. Die Konjunkturerwartungen brechen weltweit ein, Investitionen werden zurückgefahren. Doch ein genauer Blick auf die Unternehmen in den Niederlanden zeigt ein differenzierteres Bild – mit vergleichsweise stabiler Lage, aber wachsenden Risiken.

Niederlande: Optimistischer als EU-Durchschnitt

Die globale Unsicherheit spiegelt sich derzeit nicht in den Niederlanden wider, die aktuelle Lage wird hier noch als stabil eingeschätzt: 60 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als befriedigend, weitere 30 Prozent als gut. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 64 Prozent der befragten Unternehmen in den Niederlanden eine vergleichbare und 23 Prozent eine verbesserte Geschäftslage. 13 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

 

Zum Vergleich: Weltweit betrachten 48 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage derzeit als befriedigend und 39 Prozent sogar als gut. Und 43 Prozent gehen von einer Verbesserung aus, 42 Prozent von einer gleichbleibenden Geschäftslage und 15 Prozent von einer Verschlechterung der Situation. Bei den Erwartungen der Betriebe gibt es regional erhebliche Unterschiede: In China, den USA oder den Mercosur-Staaten blicken die Unternehmen aktuell vergleichsweise optimistisch auf die nächsten zwölf Monate, dagegen sind die Perspektiven in Asien und dem Nahen Osten deutlich eingetrübt.

 

Im Gegensatz zum europaweiten Trend zeigt sich die Erwartungen an die Konjunkturentwicklung in den Niederlanden robuster und weniger pessimistisch:  Mehr als 17 Prozent rechnen mit einer besseren Konjunktur in den nächsten zwölf Monaten, 50 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus und 33 Prozent von einer Verschlechterung. Im Euroraum rechnen nur 13 Prozent mit einer Verbesserung, 44 Prozent dagegen mit einer Verschlechterung.

Investitionen in Digitalisierung und KI

Global werden Investitionen deutlich zurückgefahren – in den Niederlanden bleiben sie dagegen weitgehend stabil: 41 Prozent der befragten Unternehmen investieren weiterhin wie geplant, 28 Prozent planen sogar mehr Investitionen und lediglich 31 Prozent wollen ihre Investitionen reduzieren. Besonders auffällig: Unternehmen, die in ihre Standorte in den Niederlanden investieren, setzen stark auf Digitalisierung (70 Prozent) und Künstliche Intelligenz (57 Prozent), Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (33 Prozent) und Personal (33 Prozent).

 

Bei der Personalplanung für die kommenden zwölf Monate liegen die Niederlande unter sowohl dem globalen als auch dem europaweiten Trend:  54 Prozent der Unternehmen planen in den Niederlanden keine Veränderungen (weltweit 53 Prozent, Eurozone 50 Prozent), Einstellungen planen nur 23 Prozent (weltweit 31 Prozent, Eurozone 30 Prozent), Personalabbau 23 Prozent (weltweit 16 Prozent, Eurozone 20 Prozent). Damit agieren niederländische Unternehmen defensiver als viele internationale Wettbewerber.

Energiepreise als dominierendes Risiko – in den Niederlanden noch stärker

Während global 46 Prozent der Unternehmen Energiepreise als Top-Risiko nennen, liegt dieser Wert in den Niederlanden bei 70 Prozent – ein deutlicher Hinweis auf die hohe Sensibilität der stark international verflochtenen Wirtschaft. Weitere zentrale Risiken in den Niederlanden sind aus Unternehmenssicht aktuell der Fachkräftemangel (47 Prozent), die hohen Arbeitskosten, die hohen Rohstoffpreise und Lieferkettenstörungen (mit jeweils 43 Prozent). Im globalen Trend werden dagegen Wirtschaftspolitik und Wechselkurse als zweit- und drittgrößte Risiken genannt.

 

In den Niederlanden nennen Unternehmen spezifische nationale Herausforderungen wie langsame politische Entscheidungsprozesse, Unsicherheiten bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie strukturelle Fragen rund um KI und Standortverlagerungen.

Lieferketten und Handelspolitik: Niederlande besonders exponiert

Die Auswirkungen geopolitischer Spannungen, allen voran durch die Handelszoll-Politik der USA und den Krieg in Nahost, zeigen sich in den Niederlanden besonders deutlich: 67 Prozent der befragten Unternehmen berichten von steigenden Inputkosten durch den Nahostkonflikt, 50 Prozent belasten gestörte Lieferketten, 40 Prozent sehen Verzögerungen durch handelspolitische Entwicklungen und 50 Prozent spüren steigende Kosten durch Zölle, Logistik und Compliance. 

 

Gleichzeitig berichten Unternehmen, dass Kunden und Partner zurückhaltender agieren und strategische Entscheidungen verzögert werden. Einige sehen jedoch auch Chancen für ihre Dienstleistungen und Angebote durch steigende Nachfrage in bestimmten Bereichen als Folge der geopolitischen Spannungen.

 

Strategien: globale Diversifizierung vs. niederländische Zurückhaltung

Weltweit setzen Unternehmen stark auf Diversifizierung: Zwei Drittel der befragten Unternehmen weltweit bauen ihre Lieferantennetzwerke aus, 76 Prozent erschließen neue Standorte. In den Niederlanden ist dieses Bild differenzierter:

  • 52 Prozent planen keine Diversifizierung ihres Lieferantennetzwerks
  • 31 Prozent haben bereits diversifiziert, 21 Prozent planen dies
  • 64 Prozent wollen in Zukunft oder sind bereits dabei, neue Absatzmärkte zu erschließen
  • 74 Prozent schließen eine Produktionsverlagerung aus

 

Das deutet darauf hin, dass niederländische Unternehmen stärker auf bestehende Strukturen setzen und weniger radikal umsteuern als der globale Durchschnitt.

Politische Erwartungen: klarer Handlungsauftrag

Die neue Regierung - das Minderheitskabinett unter Rob Jetten, ist im Amt. Und darum haben wir die niederländischen Unternehmen gezielt nach ihren Erwartungen an die Politik gefragt. Schnellstmöglich sollte die Regierung aus Unternehmenssicht die folgenden Themen mit Priorität behandeln:

  • Steuern und Abgaben (60 Prozent)
  • Bürokratieabbau (53 Prozent)
  • Energiepreise und Wettbewerbsbedingungen (53 Prozent)
  • Energieversorgung und Stromnetz-Ausbau (43 Prozent)
  • Fachkräftemangel (37 Prozent)

 

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Niederlande als Unternehmensstandort zu verbessern, formulieren die Befragten zentrale Anliegen: Die Bürokratie muss abgebaut und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden (69 Prozent), die Unternehmenssteuern (59 Prozent) und die Energie- und Produktionskosten (jeweils 52 Prozent) müssen gesenkt werden. Bemerkenswert: der Wunsch, Forschung, Entwicklung und Innovation zu stärken (38 Prozent) und für 28 Prozent ist auch Planungssicherheit ein zentrales politisches Anliegen.

Fazit: Niederlande als stabiler, aber verwundbarer Standort

Während die Weltwirtschaft zunehmend in den Krisenmodus schaltet, zeigen sich die Niederlande vergleichsweise stabil – mit solider aktueller Lage und vorsichtigem Optimismus. Gleichzeitig sind die Unternehmen stark von globalen Entwicklungen abhängig und spüren geopolitische Risiken besonders intensiv.

Die Herausforderung liegt nun darin, diese relative Stärke zu sichern: durch gezielte Investitionen, strukturelle Reformen und eine wirtschaftspolitische Agenda, die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz gleichermaßen stärkt und die den Unternehmen vor allem eines bietet: langfristige Planungssicherheit.

 

 

 

Text: Janine Damm

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