Logo der Deutsch-Niederländische Handelskammer
  • News

Das Rheinische Revier setzt auf Wasserstoff

Das Rheinische Revier bietet attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen aus der Wasserstoffbranche. Das sagt Jochen Pollotzek, General Manager Rheinisches Revier bei NRW Global Business. Für die Nachbarregion an der Südgrenze der Niederlande ist der Wandel hin zu Wasserstoff nicht nur eines vieler aktueller Themen. Vielmehr ist er Teil einer breiteren industriepolitischen Strategie. Denn die Region will sich als Standort für zukunftsorientierte Technologien profilieren, darunter insbesondere die Wasserstoffbranche.

Pollotzek Jochen

Hintergrund dieses Strukturwandels ist, dass das Rheinische Revier bis heute die größte Braunkohleregion Europas ist. Der Braunkohleausstieg bis spätestens 2032 eröffnet die Möglichkeit, neue industrielle Perspektiven zu schaffen, wobei die Herstellung von Wasserstoff durch Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. 

 

Pollotzek verweist dabei auf energieintensive Unternehmen wie die Chemieparks und metallverarbeitende Betriebe entlang des Rheins: 

Für diese Unternehmen wird Wasserstoff in Zukunft relevant sein. Denn nicht alle Prozesse lassen sich elektrifizieren. Für Teile der Industrie bleibt ein molekularer Energieträger notwendig.

Zudem verfügt die Region über ausreichend Fläche für Unternehmen, die Raum benötigen. Und sie verfügt über Erfahrung im Bereich der Energiepolitik für die industrielle Basis. „Gerade diese Rahmenbedingungen sorgen für Akzeptanz neuer Technologien“, so Pollotzek. 

 

Das Rheinische Revier steht mit dieser Entwicklung übrigens nicht allein da. Wie einige andere deutsche Regionen stimmt auch das Rheinische Revier seine Wasserstoffstrategie auf den europäischen „Net Zero Industrial Act“ ab. Mit diesem Gesetz will die EU die Position Europas im Bereich klimaneutraler Technologien in den kommenden Jahren stärken. „So ehrgeizig dieses Ziel auch ist“, sagt Pollotzek, „es geht darum, bis 2030 etwa 40 Prozent des jährlichen Bedarfs an strategischen Netto-Null-Technologien innerhalb der EU zu produzieren. Das Rheinische Revier will daher langfristig ein Net Zero Valley sein.“  

 

Pollotzek weist darauf hin, dass dies für Regionen wie das Rheinische Revier mehr ist als nur ein politischer Rahmen. Die Ambition könne Prozesse beschleunigen und die Region international sichtbarer machen, meint er. Darin sieht er auch eine Chance für Unternehmen. Pollotzek betont, dass verschiedene Zahlen diese Ambition untermauern. Für den Strukturwandel stehen im Rheinischen Revier rund 14,8 Milliarden Euro zur Verfügung: „Diese Mittel fließen vor allem in Infrastruktur, Raumordnung und Projekte. Damit schaffen sie die Voraussetzungen, unter denen sich Unternehmen ansiedeln können.“ Die Wasserstoffinfrastruktur in der angrenzenden Region soll Teil davon sein.  

 

Investitionen in das deutsche Wasserstoffnetz wurden 2024 genehmigt. Diese umfassen mehr als 9.000 Kilometer und sollen bis 2032 in Betrieb genommen werden. Etwa 60 Prozent davon basieren auf der Umnutzung bestehender Erdgasleitungen. In Nordrhein-Westfalen soll laut Pollotzek bis 2032 ein rund 1.700 Kilometer langes Wasserstofftransportnetz entstehen. Diese Infrastruktur ist wichtig für Industrieunternehmen und mitentscheidend dafür, ob Wasserstoff wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Er bezeichnet diesen Anschluss daher als „wichtigen strategischen Vorteil“ für seine Region.  

 

Ein weiterer Vorteil, den Pollotzek für das Rheinische Revier nennt, ist das bestehende Forschungs- und Entwicklungsökosystem. Im nahegelegenen Jülich entsteht ein Cluster rund um ein Wasserstoffprojekt. Die Region stellt 860 Millionen Euro bereit, um die Forschung und Entwicklung einer Wasserstoffregion voranzutreiben. „Hinzu kommt die Forschung der RWTH Aachen, des Forschungszentrums Jülich und verschiedener Institute“, so Pollotzek. Dadurch gebe es in der Region genügend ausgebildete Fachkräfte und Techniker.    

 

Pollotzek betont jedoch, dass Forschung und Innovation allein nicht ausreichen. Der Schritt vom Labor in die Fabrik, also von der Forschung zur industriellen Anwendung, ist ebenfalls wichtig. Gerade hier sieht er Chancen für Unternehmen, die frühzeitig dabei sein wollen. Wer Technologien, Komponenten oder industrielle Lösungen anbietet, findet in der Region ein wachsendes Ökosystem vor.  

 

Die Region hat laut Pollotzek noch weitere konkrete Standortvorteile. Neben dem verfügbaren Raum, dem Bedarf seitens der Industrie und den Forschungseinrichtungen spielen auch die Nähe zu Logistikachsen, Häfen sowie zu den niederländischen und belgischen Nachbarn eine Rolle. Und nicht zuletzt gibt es, wie Pollotzek betont, „die bestehende Bereitschaft in der Region“. Die Menschen sind mit der Industrie vertraut. Das erleichtert Ansiedlungen. Für neue Unternehmen bedeutet dies: Sie sehen sich nicht mit einem abstrakten Zukunftsplan konfrontiert, sondern mit einer Region, die den industriellen Wandel aktiv anstrebt und unterstützt.“  

 

Er weist daher darauf hin, dass dies für niederländische Unternehmen im Wasserstoffsektor ein Pluspunkt sein kann: „Das Rheinische Revier bietet Chancen für Partner entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Das können Komponentenhersteller, Anlagenbauer, Logistikunternehmen oder industrielle Endverbraucher sein. In der Region dreht sich also nicht nur alles um die Produktion von Wasserstoff, sondern auch um Transport, Speicherung, Nutzung und technische Systeme.“  

 

Die Nähe zur niederländischen Wirtschaft sieht er als Vorteil. Er erlebt die Niederlande als schnell in der Entscheidungsfindung, pragmatisch und international vernetzt. Das Rheinische Revier bietet dagegen Raum, Industrie und Nähe zur Forschung. Zusammen bildet dies eine solide Basis für die Zusammenarbeit: „Die Region verbindet strukturellen Wandel und industrielle Kompetenz mit der Wasserstoffstrategie. Das schafft ein Umfeld mit realen Chancen für Unternehmen.“

 

Text: René de Monchy

Veranstaltung

Business opportunities in Germany’s Net Zero Valley: Rheinisches Revier

May 20, Rotterdam | The energy transition is reshaping industrial heartlands — and creating new business for those ready...

Sehen Sie, was Sie verpasst haben
Wasserstoff World Hydrogen Summit

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen
  • AdobeStock_1952732297_Preview.jpeg
    Neuigkeiten

    Europas digitale Souveränität

    Europas digitale Infrastruktur ruht auf einem schmalen Fundament. Microsoft, Google und Amazon dominieren den Cloud-Markt und vereinen nach Angaben der niederländischen Bank ABN AMRO rund 70 bis 80 Prozent des Geschäfts auf sich. Für Europa wird damit eine Frage immer drängender: Wer kontrolliert die Daten, welchem Recht unterliegen sie – und was geschieht, wenn sich die geopolitischen Beziehungen zwischen Europa und den USA weiter verschärfen?

  • Porträtfoto von Steffi Brodkorb vor blauem Hintergrund mit Text „#member interviews“.
    Neuigkeiten

    Was entsteht, wenn man Menschen wirklich miteinander verbindet? Im Gespräch mit Steffi Brodkorb

    Für Steffi Brodkorb beginnt grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit persönlichen Begegnungen. Die Community & Commercial Real Estate Managerin des VANAD Campus erzählt, wie sie deutsche und niederländische Unternehmer miteinander verbindet, warum ein starkes Netzwerk mehr bietet als nur geschäftliche Kontakte und wie sie als Community Supporter aktiv zur DNHK-Community beitragen möchte.

  • Porträt Christian Budde, Referent für Internationales bei der IHK Nord Westfalen vor einem blau hinterlegten Hintergrund mit Gebäudegrafik; darüber stehen Zitattext und die Aufschrift „#member interviews“.
    Neuigkeiten

    Wie werden aus Nachbarn starke Wirtschaftspartner? Im Gespräch mit Christian Budde

    Die Nähe zur Grenze eröffnet viele Chancen – entscheidend ist, sie gemeinsam zu nutzen. Christian Budde, Referent für Internationales bei der IHK Nord Westfalen, spricht über Innovationspotenziale in der Grenzregion, seine Verbindung zur DNHK seit dem Studium und den Wert eines Netzwerks, das Unternehmen, Wissenschaft und Politik zusammenbringt.

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub