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Gerichtshof in Den Haag setzt auf deutsche Software

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag stellt seine Arbeitsplatzsoftware um – weg vom US-Technologieriesen Microsoft, hin zur deutschen Open-Source-Lösung Open Desk. Entwickelt wurde das Programmpaket vom Zentrum für Digitale Souveränität (Zendis), einer Gesellschaft im Besitz des Bundes. Damit setzt erstmals eine internationale Institution mit globaler Bedeutung konsequent auf eine europäische IT-Infrastruktur.

Gerichtshof Den Haag/ International Criminal Court

Die USA haben Sanktionen gegen einzelne Vertreter des Strafgerichtshofs verhängt – darunter den Chefankläger Karim Khan. Dadurch entstand die Sorge, dass amerikanische Technologieunternehmen wie Microsoft ihre Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof einstellen müssten. 


In diesem Fall wäre der IStGH digital praktisch lahmgelegt, weil viele seiner Systeme auf Microsoft basieren. Um dieses Risiko zu vermeiden, entschied sich das Gericht für eine europäische Alternative. „Wir wollen sicherstellen, dass wir unabhängig arbeiten können – auch im digitalen Bereich“, sagte Verwaltungschef Osvaldo Zavala Giler.


Open Desk kombiniert Lösungen mehrerer europäischer Softwarehersteller – darunter Nextcloud (Karlsruhe), Open Project (Berlin) und Univention (Bremen) – und deckt zentrale Büroanwendungen wie Cloud-Speicher, Textverarbeitung, Kalender und Videokonferenzen ab. Das Zendis koordiniert die Integration der Komponenten und sieht in der Entscheidung aus Den Haag einen Meilenstein für Europas digitale Eigenständigkeit.

Auch in den niederländischen Fachmedien wird dem Schritt hoher Symbolwert beigemessen.

Das Portal Dutch IT Leaders schreibt: „Dieser Schritt zeigt, wie sehr Technologie inzwischen ins Zentrum geopolitischer Spannungen gerückt ist und wie problematisch die Abhängigkeit von amerikanischen Digitalkonzernen geworden ist.“


In Politik und Wirtschaft stößt der Schritt auf Zustimmung. Viele deutsche Digitalpolitiker sehen darin ein wichtiges Signal: In Zeiten wachsender Spannungen zeigt der Wechsel, wie notwendig technologische Eigenständigkeit geworden ist. Auch in Brüssel wird die Entscheidung genau beobachtet – sie gilt als Beispiel dafür, dass europäische Technologie weltweit Vertrauen schaffen kann.


Für die grenzüberschreitende Wirtschaft zeigt der Fall: Digitale Unabhängigkeit ist längst nicht mehr nur ein IT-Thema, sondern eine Frage der Widerstandsfähigkeit.

Foto: Tony Webster / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

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