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Brücken überwachen, Grenzen verschieben: Wie Villari den Sprung nach Deutschland schaffte

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Aus der Ferne den Zustand von Brücken, Kränen und Windkraftanlagen messen, ohne dass jemand mit Helm und Messgeräten losziehen muss: Das ist es, was das niederländische Start-up Villari macht. Was als Doktorandenprojekt an der TU Delft begann, entwickelte sich zu einem international tätigen Unternehmen, das mit Sensoren Rissbildungen in kritischen Stahlkonstruktionen kontinuierlich überwachen kann.

Villari installatie

Villari –  ein Best Practice für den deutschen Markteintritt

Villari entwickelt Sensoren, die an Stahlkonstruktionen angebracht werden. Bei Rissbildung verändert sich das Magnetfeld – der sogenannte Villari-Effekt, nach dem das Unternehmen auch benannt ist. „Diese Veränderung können wir sehr genau messen”, erklärt Diederik Husslage, Business Development Manager bei Villari. Das Ergebnis: ein Datenstrom, mit dem Ingenieure erkennen können, wo Materialermüdung auftritt und wann Wartungsarbeiten erforderlich sind.  

 

Dieser Ansatz reagiert auf ein wachsendes Problem: veraltete Infrastruktur. „Weltweit gibt es Millionen kritischer Anlagen“, sagt Husslage. „Unsere Technologie ersetzt nicht nur herkömmliche manuelle Schweißnahtprüfungen und -kontrollen, sondern macht die Wartung auch vorhersehbarer.“ Sowohl die Niederlande als auch Deutschland haben mit Brücken und Industrieanlagen zu kämpfen, die ihre technische Lebensdauer überschritten haben. Viele Stahlbrücken aus den 1950er- und 1960er-Jahren nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer, da die Verkehrsbelastung stark zugenommen hat und sie ersetzt werden müssen“, sagt Husslage. „Allerdings ist es aus Kosten- und Lärmgründen unmöglich, alles auf einmal zu ersetzen. Durch den Einbau von Sensoren werden Inspektionen kostengünstiger und man kann gut überwachen, welche Brücken sofort repariert oder ersetzt werden müssen – und welche noch warten können.“ 

Häfen, Infrastruktur und Stahl als Schwerpunkte  

Das Interesse an dieser Technologie kam schnell in Gang. Topunternehmen wie Tata Steel, die ausführende Behörde des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, Rijkswaterstaat, sowie verschiedene Terminals im Hafen von Rotterdam zeigten Interesse. Laut Husslage sind die Hafenindustrie und die Stahlindustrie daher wichtige Märkte. Dabei geht es meist um Hafenkräne und Industriekräne, aber auch um Windkraftanlagen und Brücken.    

Der deutsche Markt bietet Chancen, doch der Weg dorthin ist anders

Während Villari in den Niederlanden schnell die richtigen Ansprechpartner fand, erwies sich Deutschland als ein anderes Spielfeld. Gerade wegen der enormen Anzahl an Brücken und Infrastruktur ist der Bedarf groß, doch der Zugang zu Entscheidungsträgern und Projekten ist formeller. „In Deutschland läuft vieles über feste Strukturen: Organisationen arbeiten bevorzugt mit registrierten Partnern zusammen, und alles läuft auf Deutsch“, skizziert Husslage.  

 

Das realisierte er bei der Autobahn GmbH, der deutschen staatlichen Organisation, die für große Teile des Autobahnnetzes verantwortlich ist. Villari hatte bereits einen Zugang zu Deutschland, da das Unternehmen verschiedene Bauwerke der Häfen von Bremen und Duisburg überwachte. Diese Zusammenarbeit erregte Aufmerksamkeit: Eine Delegation der Autobahn GmbH kam zu einer Besichtigung nach Duisport. Danach begann die eigentliche Arbeit: Wie entsteht aus Interesse ein Projekt? 

Die DNHK war bei den 

Gesprächen dabei: um zu

übersetzen, aber auch um mitzudiskutieren.

Villari Diederik Husslage
Diederik Husslage, Business Development Manager Villari

Die DNHK – vom ersten Kontakt bis zum fachlichen Sparringspartner  

Für diesen nächsten Schritt wandte sich Villari an die DNHK. „Die DNHK half uns dabei, die richtigen Ansprechpartner zu identifizieren und Gespräche zu vereinbaren”, erzählt Husslage. „Außerdem waren sie bei den Gesprächen dabei: um zu übersetzen, aber auch um mitzudiskutieren”, fährt er fort. „Und hinterher konnten wir gemeinsam evaluieren: Was wurde gesagt, was genau war damit gemeint und was ist der beste nächste Schritt?” 

 

Da sich die Autobahn GmbH zudem stark auf registrierte (oft deutsche) Partner stützt, hat sich Villari für eine Kooperation mit der deutschen Mistras entschieden, die zur Internationalen Mistras Group gehört und mit der Villari bereits in anderen Ländern zusammenarbeitet. Ein lokaler Partner, der in Deutschland tätig ist und den Markt kennt. Dadurch gelang der Zugang. „Wir hoffen, in Zukunft einen direkteren Kontakt haben zu können“, erklärt der Manager, „aber vorerst hat dieser Weg enorm geholfen.“ 

Durchbruch in Krefeld: Erster Vertrag als Pilotprojekt  

Die gemeinsamen Anstrengungen führten zu einem konkreten Durchbruch: Im Januar 2026 wurde in Krefeld ein Vertrag für die Sanierung einer Brücke unterzeichnet. Das Projekt ist als technologische Evaluierung angelegt. „Wir schauen uns an, was die Sensoren sagen, wie nutzbar die Daten sind und wie dies zu Wartungsentscheidungen beiträgt“, so Husslage. „Wenn das gut funktioniert, können wir gemeinsam weitere Projekte ins Auge fassen.“  

 

Was ihm auffällt, ist die Art der Zusammenarbeit mit der Autobahn GmbH. „Sehr angenehm und anders als beispielsweise mit Rijkswaterstaat“, sagt er. „Autobahn hat viel mehr selbst in der Hand, wie Inspektionen und Instandhaltungsarbeiten. Das ermöglicht Klarheit darüber, wer für was verantwortlich ist – und beispielsweise auch über Budgets. In den Niederlanden wird viel ausgelagert, was Verantwortlichkeiten und Budgets in Bezug auf Wartungsinspektionen weniger deutlich macht.“  

 

Villari zeigt, dass es bei der Internationalisierung nicht nur um ein gutes Produkt geht. Man muss sich auch in einem neuen Ökosystem zurechtfinden: mit anderen Entscheidungswegen, einer anderen Sprache und anderen Erwartungen in Bezug auf Partnerschaft und Beschaffung. Der Vertrag in Krefeld ist damit nicht nur ein Pilotprojekt, sondern das greifbare Ergebnis eines gezielten Markteintritts in Deutschland.   

 

Text: Hendrike Oosterhof

Fotos: Villari

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