Logo der Deutsch-Niederländische Handelskammer

Vertrauen auf Print – und Deutschland

  • News

Die Zeitschriftenbranche hat es schwer. Die Auflagen sinken und die Redaktionen schrumpfen. Das gilt für Deutschland genauso wie für die Niederlande. Dennoch ist das Printmagazin Saar in den Niederlanden so erfolgreich, dass Gründerin Barbara van Erp den Schritt über die Grenze nach Deutschland wagt.

Barbara van Erp Chefredakteurin Saar

Saar startete 2017 als Online-Plattform mit Blog-Artikeln für Frauen über 50. Das wurde schnell ein Erfolg, doch es wartete noch eine größere Überraschung: Die Nachfrage nach einem Printmagazin war enorm. „Wir erhielten Anrufe von Leserinnen, die wissen wollten, wo sie das Printmagazin kaufen können”, erzählt Van Erp. Daher verlagerte sich der Fokus auf Print und Abonnements.   

 

Das Magazin hat mittlerweile 16.000 Abonnenten und verkauft pro Ausgabe etwa 9.000 Exemplare. Gleichzeitig beobachtet Van Erp, dass die Zeitschriftenregale in Supermärkten immer kleiner werden. „Vielleicht sorgen die Einführung von KI und die Fülle an Online-Inhalten für eine neue Wertschätzung von Papier. Gute Geschichten lesen ohne Ablenkung – dafür gibt es einen immer größeren Bedarf.“ Ihrer Meinung nach passt Print daher zur Zielgruppe. „Für Leser in den Zwanzigern würde ich es nicht machen“, ergänzt sie. 

Niederländische Strategie in Deutschland  

Das Wachstum kommt jedoch nicht von ungefähr. Die Marketingstrategie läuft über Meta Business Suite und Google Advertising. Tools, mit denen das Team mittlerweile sehr geübt ist. Allein im vergangenen Jahr brachte dies 6.000 neue Abonnenten ein. Dieselbe Strategie will Van Erp nun in Deutschland anwenden. 

 

Im Vorfeld wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Einer Gruppe deutscher Frauen wurden verschiedene Titelbilder gezeigt, aus denen deutlich wurde, dass dieselben Themen Anklang finden. Laut Van Erp liegt das zum Teil an kulturellen Gemeinsamkeiten, aber auch daran, dass viele Themen universell sind. Deutsche haben genauso wie niederländische Frauen mit Scheidungen, Pubertierenden und Lebensfragen nach dem 50. Lebensjahr zu kämpfen.  

 

Die deutsche Ausgabe von Saar (die übrigens Sara heißt) startet daher mit übersetzten niederländischen Artikeln. Van Erp verweist auf frühere Beispiele: Magazine wie Happinez und Flow sind bereits seit längerem auf dem deutschen Markt aktiv und haben dort mit größtenteils übersetzten Inhalten Erfolg. Natürlich sind bei Themen wie Erbrecht oder Altenpflege Anpassungen erforderlich, da diese Systeme in Deutschland anders funktionieren. Wen würde sie gerne einmal auf dem Cover sehen? „Franka Potente”, sagt sie ohne zu zögern. „Vorerst ist das unrealistisch, aber sie wäre ein wunderbares Symbol für die Generation 50+. Wer weiß.” 

Flexibles Redaktionsteam in Berlin  

 Einen festen Standort in Deutschland gibt es vorerst nicht. Alles wird von Amsterdam aus gesteuert, mit einem flexiblen Redaktionsteam von Frauen über 50 in Berlin – genau der Zielgruppe entsprechend. Das bedeutet: Sie arbeiten größtenteils von zu Hause aus und stehen digital in Kontakt.   

 

Dennoch ist Berlin keine naheliegende Wahl. Viele deutsche Zeitschriften haben ihren Sitz traditionell in Hamburg. „Berlin gewinnt kulturell immer mehr an Einfluss, während relativ wenige Medienunternehmen dort ansässig sind. Das macht es spannend, aber auch komplex: Viele Redakteure leben noch in Hamburg.” Dennoch fühlt sich Berlin für Van Erp richtig an. Langfristig ist die Anmietung eines Büros geplant. Zunächst werden Aufbau, Test und Wachstum des neuen Standorts fokussiert. 

 

Auf die Frage, warum sie sich für Deutschland entschieden haben, antwortet sie, dass sie eine persönliche Verbindung zu dem Nachbarland hat. Sie ist oft dort, hat deutsche Freundinnen und das Gefühl, dass sie die Frauen dort versteht. „Bei englischen oder französischen Frauen ist das anders.“ Gestärkt wurde dieses Vertrauen, als die Redaktion des deutschen Magazins Brigitte zu Besuch kam und von Saar begeistert war. Das führte zwar nicht sofort zu einer Zusammenarbeit, aber es war der Grundstein für eine deutsche Ausgabe.   

Groß denken, klein anfangen  

Ihr erstes Ziel ist klar: eine Auflage von 10.000 Exemplaren in Deutschland. Langfristig soll die deutsche Ausgabe eigenständig laufen können. Van Erp sieht sich selbst vor allem als Unternehmerin. „Neue Projekte geben mir Energie”, sagt sie. „Andere Menschen sind wiederum viel besser darin, etwas zu Ende zu bringen und aufrechtzuerhalten.”  

 

Die deutsche Website ist inzwischen online und dient als Einführung. Wer mehr lesen möchte, kann ein Abonnement abschließen, dessen erste Printausgabe im Frühjahr erscheint.   

In den Kategorien:

Die neuesten Nachrichten lesen

Alle Neuigkeiten ansehen
  • Stau DE/NL Zu sehen ist eine Straße, auf der sich viele Autos stauen
    Neuigkeiten

    Deutschland vs. Niederlande: Wo fahren Autofahrer wirklich schneller?

    Freie Fahrt, kein Tempolimit – Deutschland gilt als das Land der schnellen Autofahrer. In den Niederlanden dagegen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen. Doch was ist wirklich dran am Image der beiden Länder? Ein Faktencheck.

  • Villari installatie
    Neuigkeiten

    Brücken überwachen, Grenzen verschieben: Wie Villari den Sprung nach Deutschland schaffte

    Aus der Ferne den Zustand von Brücken, Kränen und Windkraftanlagen messen, ohne dass jemand mit Helm und Messgeräten losziehen muss. Das ist es, was das niederländische Start-up Villari macht. Was als Doktorandenprojekt an der TU Delft begann, entwickelte sich zu einem international tätigen Unternehmen, das mit Sensoren Rissbildungen in kritischen Stahlkonstruktionen kontinuierlich überwachen kann.

  • Master the German Market-Event im AFAS-Theater in Leusden
    Neuigkeiten

    Corendon, Basic-Fit und Dopper: Die Learnings vom Markteintritt in Deutschland

    Beim Marketing-Event „Master the German Market“ im AFAS Theater in Leusden teilten Marketing- und Expansionsexperten von niederländischen Unternehmen wie Corendon, Basic-Fit und Dopper ihre Expansionserfahrungen – mit klaren Learnings, konkreten Tipps und auch ehrlichen Irrtümern. Und zeigten, worauf es beim Markteintritt in Deutschland wirklich ankommt.

Suchen Sie etwas Anderes?

In unserem Informationszentrum finden Sie aktuelle Neuigkeiten, Downloads, Videos, Podcasts...

Zum Info Hub