Saar startete 2017 als Online-Plattform mit Blog-Artikeln für Frauen über 50. Das wurde schnell ein Erfolg, doch es wartete noch eine größere Überraschung: Die Nachfrage nach einem Printmagazin war enorm. „Wir erhielten Anrufe von Leserinnen, die wissen wollten, wo sie das Printmagazin kaufen können”, erzählt Van Erp. Daher verlagerte sich der Fokus auf Print und Abonnements.
Das Magazin hat mittlerweile 16.000 Abonnenten und verkauft pro Ausgabe etwa 9.000 Exemplare. Gleichzeitig beobachtet Van Erp, dass die Zeitschriftenregale in Supermärkten immer kleiner werden. „Vielleicht sorgen die Einführung von KI und die Fülle an Online-Inhalten für eine neue Wertschätzung von Papier. Gute Geschichten lesen ohne Ablenkung – dafür gibt es einen immer größeren Bedarf.“ Ihrer Meinung nach passt Print daher zur Zielgruppe. „Für Leser in den Zwanzigern würde ich es nicht machen“, ergänzt sie.
Niederländische Strategie in Deutschland
Das Wachstum kommt jedoch nicht von ungefähr. Die Marketingstrategie läuft über Meta Business Suite und Google Advertising. Tools, mit denen das Team mittlerweile sehr geübt ist. Allein im vergangenen Jahr brachte dies 6.000 neue Abonnenten ein. Dieselbe Strategie will Van Erp nun in Deutschland anwenden.
Im Vorfeld wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Einer Gruppe deutscher Frauen wurden verschiedene Titelbilder gezeigt, aus denen deutlich wurde, dass dieselben Themen Anklang finden. Laut Van Erp liegt das zum Teil an kulturellen Gemeinsamkeiten, aber auch daran, dass viele Themen universell sind. Deutsche haben genauso wie niederländische Frauen mit Scheidungen, Pubertierenden und Lebensfragen nach dem 50. Lebensjahr zu kämpfen.
Die deutsche Ausgabe von Saar (die übrigens Sara heißt) startet daher mit übersetzten niederländischen Artikeln. Van Erp verweist auf frühere Beispiele: Magazine wie Happinez und Flow sind bereits seit längerem auf dem deutschen Markt aktiv und haben dort mit größtenteils übersetzten Inhalten Erfolg. Natürlich sind bei Themen wie Erbrecht oder Altenpflege Anpassungen erforderlich, da diese Systeme in Deutschland anders funktionieren. Wen würde sie gerne einmal auf dem Cover sehen? „Franka Potente”, sagt sie ohne zu zögern. „Vorerst ist das unrealistisch, aber sie wäre ein wunderbares Symbol für die Generation 50+. Wer weiß.”
Flexibles Redaktionsteam in Berlin
Einen festen Standort in Deutschland gibt es vorerst nicht. Alles wird von Amsterdam aus gesteuert, mit einem flexiblen Redaktionsteam von Frauen über 50 in Berlin – genau der Zielgruppe entsprechend. Das bedeutet: Sie arbeiten größtenteils von zu Hause aus und stehen digital in Kontakt.
Dennoch ist Berlin keine naheliegende Wahl. Viele deutsche Zeitschriften haben ihren Sitz traditionell in Hamburg. „Berlin gewinnt kulturell immer mehr an Einfluss, während relativ wenige Medienunternehmen dort ansässig sind. Das macht es spannend, aber auch komplex: Viele Redakteure leben noch in Hamburg.” Dennoch fühlt sich Berlin für Van Erp richtig an. Langfristig ist die Anmietung eines Büros geplant. Zunächst werden Aufbau, Test und Wachstum des neuen Standorts fokussiert.
Auf die Frage, warum sie sich für Deutschland entschieden haben, antwortet sie, dass sie eine persönliche Verbindung zu dem Nachbarland hat. Sie ist oft dort, hat deutsche Freundinnen und das Gefühl, dass sie die Frauen dort versteht. „Bei englischen oder französischen Frauen ist das anders.“ Gestärkt wurde dieses Vertrauen, als die Redaktion des deutschen Magazins Brigitte zu Besuch kam und von Saar begeistert war. Das führte zwar nicht sofort zu einer Zusammenarbeit, aber es war der Grundstein für eine deutsche Ausgabe.
Groß denken, klein anfangen
Ihr erstes Ziel ist klar: eine Auflage von 10.000 Exemplaren in Deutschland. Langfristig soll die deutsche Ausgabe eigenständig laufen können. Van Erp sieht sich selbst vor allem als Unternehmerin. „Neue Projekte geben mir Energie”, sagt sie. „Andere Menschen sind wiederum viel besser darin, etwas zu Ende zu bringen und aufrechtzuerhalten.”
Die deutsche Website ist inzwischen online und dient als Einführung. Wer mehr lesen möchte, kann ein Abonnement abschließen, dessen erste Printausgabe im Frühjahr erscheint.